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Talkshows AfD fühlt sich vom Lügenrundfunk vernachlässigt

Die AfD will gegen ARD und ZDF klagen, weil sie sich in Talkshows zu wenig vertreten fühlt. Ganz im Gegenteil boten sich der Partei schon zu viele Gelegenheiten, sich zur besten Sendezeit zu präsentieren. Unser Kommentar.

AfD
Immer für einen Talkshow-Plausch zu haben: Alexander Gauland. Foto: Imago

Der morgendliche Nachrichtenkracher kommt heute wieder mal von den besorgten Bürgern ganz rechtsaußen. „Wir überlegen gerade, ob wir uns in die Talkshows einklagen.“ Wie bitte? Einklagen? In die Talkshows?

Solcherlei Unfug kann eigentlich nur von einer Partei kommen: der AfD. Deren Vorsitzender Jörg Meuthen jammert gegenüber dem „Focus“, dass unter den 162 Politikern bei den vier großen Talkshows Plasberg, Illner, Maischberger und Will nach einer parteiinternen Auswertung im ersten Halbjahr 2017 nur vier AfD-Politiker gewesen seien. Bestimmte Themen würden eben „von den öffentlich-rechtlichen Medien nicht transportiert“, übersetzt: Der gleichgeschaltete Systemrundfunk steckt mit den Systemparteien unter einer Systemdecke und verschweigt dem Volk die Wahrheit. Klingt soweit nach dem Lieblingsslogan der AfD, doch das daraus abgeleitete gesetzlich festgeschriebene Recht auf Talkshowpräsenz für rechte Hetze erklimmt den Gipfel der Lächerlichkeit. Zumal die AfD den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, für den sie eine Auftrittsgarantie fordert, in dieser Form am liebsten abschaffen würde.

Legendär: Björn Höcke bei Jauch

Ganz im Gegenteil zu Meuthens Ankündigungen boten sich der AfD schon viel zu viele Gelegenheiten, ihre verschrobene Sicht der Dinge zur besten Sendezeit im Fernsehen zu präsentieren und in Talkshow-Diskussionen mit fragwürdigen Parolen zu provozieren. Spätestens als Björn Höcke 2015 bei Günther Jauch seine schwarzrotgüldene Deutschlandfahne über seinem Sessel platzieren durfte, hätte den Sendern auffallen müssen, dass der minimale Erkenntnisgewinn aus solchen öffentlichen AfD-Auftritten das maximale Volksverhetzungspotential nicht aufwiegt.

Aber die Frage nach dem Mehrwert von AfD-Politikern im öffentlich-rechtlichen Fernsehen könnte sich, wenn alles gut läuft, ohnehin bald erledigt haben. Als hätten die besorgten selbsternannten Volksvertreter nicht schon genug Sorgen, müssen sie auf den letzten Metern zur Bundestagswahl laut den jüngsten Umfragen von einem einstelligen Ergebnis ausgehen, vielleicht sogar das Scheitern an der Fünfprozenthürde fürchten. Die Ankündigung einer Klage gegen die Öffentlich-Rechtlichen ist also ein verzweifelter Schrei nach Aufmerksamkeit.

Die Reaktionen der Sender lassen allerdings hoffen, dass man auf die neueste Masche nicht reinfällt. „Die Talkredaktionen entscheiden selbst, welche Gäste sie zu welchen Themen einladen. Es gibt keine Quotierung bei der Auswahl“, sagt ARD-Chefredakteur Rainald Becker dem Focus. WDR-Sprecherin Kristina Bausch betont, es gehe bei der Auswahl der Gäste um „journalistische Kriterien“. Klar, worum auch sonst? Wem man ernsthaft erklären muss, dass niemand ein Auftrittsrecht in Talkshows hat, mit dem kann man sich das Reden wirklich sparen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier AfD

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