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Spielerprotest Die NFL verschließt die Augen

Amerikas Football-Liga NFL geht Protesten gegen Rassismus aus dem Weg. Spieler sollen das leise in der Kabine machen. Die NFL duckt sich weg, statt klar Position zu beziehen. Ein Kommentar.

Colin Kaepernick
Geste des Anstoßes: Colin Kaepernick (Mitte) kniet mit Teamkameraden vor einem Spiel. Foto: imago sportfotodienst

Durch eine einfache Geste drückte im September 2016 NFL-Quarterback Colin Kaepernick erstmals bei einem Footballspiel seinen Zorn über Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze in seinem Land aus. Er kniete sich während der Nationalhymne vor dem Spiel hin und löste eine hitzige Debatte aus – zu oft leider über seine Geste und ihre Berechtigung, weniger über die Missstände und Klüfte innerhalb der US-Gesellschaft. Aber Kaepernick fand dennoch Nachahmer und Unterstützer.

Der Liga gefällt das nicht. Die National Football League will alles sein – patriotische Spaßmaschine, Sportförderer und vorbildlicher Tugendwächter. Aber bloß nicht politisch. Mit einem Gewinn von 13 Milliarden Dollar jährlich stellt die Liga auch Baseball in den Schatten. Das steht für sie auf dem Spiel.

Wie sehr die Profi-Liga sich windet, wenn es um heikle Themen geht, zeigt ihre neue Regelung zur Nationalhymne. Wer fortan bei „Star-Spangled Banner“ nicht aufrecht steht, der muss in der Kabine warten. Ungesehen, fernab der Kameras, bis die Hymne gesungen ist.

Das haben die Besitzer der 32 Teams –fast ausnahmslos weiße Männer- so beschlossen. Es ist offensichtlich, dass die Debatte unerwünscht ist. Die nun erdachte „Lösung“ ist auf ihre Art typisch für das eitle Amerika, das den Schein wahren will. Das Problem wird mit dem Verbot einfach abgedeckt, weggeschoben. Sie hätte das Knien auch ausdrücklich erlauben können, als eine legitime öffentliche Form des Protests. Protest gehört zu Amerika, wie zu jeder anständigen Demokratie.

Kaepernick wurde mit seiner Aktion zu einem Symbol des leisen Widerstands. Und er wurde arbeitslos, gefeuert von seiner Mannschaft. Bis heute will ihn kein anderes Team unter Vertrag nehmen.

Die NFL will sich nicht mit gesellschaftlichen Problemen auseinandersetzen. Dabei wäre es dafür gerade an der Zeit – nicht nur für die Liga, sondern für die ganze Nation.

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