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Schlecky Silberstein Wie die AfD Satire in Propaganda umkehrt

Blogger Schlecky Silberstein dreht eine Parodie zu den Ereignissen in Chemnitz, die die AfD als „Fake-Video“ zu identifizieren vorgibt. Schließlich dreht sie zwei eigene kleine Filmchen. Ein Kommentar.

Chemnitz
Die Ereignisse in Chemnitz waren Schlecky Silberstein eine Parodie wert. Foto: dpa

Von den Ereignissen in und um Chemnitz war Blogger Schlecky Silberstein nur noch genervt. Ein junger Mann war getötet worden und viele hatten das für sich auszuschlachten versucht: Rechtsextreme, die AfD, die Medien und, so Silberstein, „Quartals-Antifaschisten und Partydemonstranten“ unter dem „Wir-sind-mehr“-Label.

Er und seine Steinberger Silberstein GmbH hatten als Reaktion eine Parodie in Berlin-Lichtenberg gedreht, das Set sei mit Hinweisen auf die Satire „zugekleistert“ gewesen. Bereits beim Dreh habe man den Anwohnern das Vorhaben erklärt und das Script vorgestellt: Während einer Nazi-Demo bringt ein als AfD-Politiker verkleideter Statist Flugblätter unters schauspielende Volk: „Wer hat noch nicht, wer will nochmal. Jeder kann hier Mitglied werden“, greint er, eine Reporterin, von „Rechten“ bedrängt, versucht das Geschehen zu kommentieren, daneben die das Bild ergänzenden Gegendemonstranten.

Mit ungefähr einem Dutzend Statisten hatte man die bezeichneten Punkte solcher bereits von „Pegida“- oder AfD-Aufmärschen bekannten Abläufe überspitzt nachgezeichnet. Wer tatsächlich eine Nazi-Demo glaubhaft vortäuschen wollte, der dürfte  das entsprechende Set wohl weniger schablonenhaft aufstellen.   

Doch das Offensichtliche scheint der AfD nicht offensichtlich genug, zumindest bediente sie sich der Bilder, um wohl die Mär vom Fake-Video unter die Anhängerschaft zu jubeln. Sie drehte ihr eigenes kleines Filmchen, das in den sozialen Netzwerken die Runde macht, spricht von „Fake-Video“, das  die Rechten diskreditieren solle, und postete auf ihrer Facebook-Seite: „Die AfD ist entsetzt über den Versuch, Fake-Videos an einem falschen Parteistand zu drehen. Durch einen Zufall konnte jetzt ein solches Projekt in Lichtenberg aufgedeckt werden.“ AfD-Vize-Bundessprecher Georg Pazderski äußerte unter anderem: „Der Versuch, Politik mit Fake-Videos zu betreiben, ist undemokratisch und gehört unterbunden!“

AfD-Anhänger wittern die Verschwörung

Nun ist diese Parodie von der Kunstfreiheit gedeckt, AfD-Anhänger zeigten sich dennoch empört: „Darüber spricht die Lügenpresse ja nicht“, erboste sich etwa K. unter dem Post. Ein anderer wollte gleich das ganze links-grün-versiffte Pack verbieten lassen: „Verbiete endlich die CDU, die SPD, die Grünen und die Linken, denn sie haben oftmals ihre Lebensläufe gefälscht, um sich auf Kosten des Staates also das Volk zu bereichern.“ Wieder ein anderer wäre gerne bei der Ergreifung der „Täter“ behilflich gewesen: „Bitte lassen Sie mir sämtliche Fotos und Videos zukommen. Ich bin Schauspieler und sehr gut vernetzt. Möglicherweise finde ich heraus, welche Schauspieler mitgewirkt haben bzw. welche Crew dort gefilmt hat. Das muss aufgedeckt werden.“

Das dürfte nicht mehr nötig sein, denn wie Silberstein in seinem Blog dokumentiert, stand der Abgeordnete und AfD-Schatzmeister Frank-Christian Hansel mit einem Kameramann vor der Wohnung seines Firmen-Partners und filmte dessen Klingelschild ab.

 Propaganda inklusive Opferrolle 

Das Video ist auf der Facebook-Seite der AfD Berlin einzusehen. Dort gibt Hansel den konspirativen Journalisten, die Kamera nimmt das Straßenschild in den Fokus, im RTL-2-Style betätigt er die Klingel. Später wird im Video von „Tätern“ die Rede sein. Erste rechtliche Schritte seien eingeleitet worden, zum einen „zivilrechtlich“ und zum anderen „strafrechtlich wegen Vortäuschung einer Straftat mit dem Ziel, die AfD zu verleumden. Denn nichts anderes ist die Hetzjagd von falschen Skinheads auf einen schwarzen Schauspieler,…“ heißt es aus dem Off.

Ein bemerkenswertes, wohl unfreiwilliges Outing, denn dass die AfD, die ansonsten nichts mit Skinheads gemein haben will, deren Handlung im Verleumdungskontext auf sich bezieht, dürfte seine Bestätigung in der räumlichen Nähe auf diversen Kundgebungen finden.   

Tatsächlich gefährlich ist, wie sie die Adresse in den sozialen Medien verbreitet  und einem möglicherweise gewalttätigen Mob schon mal mitteilt, wo er im Falle hin muss. Der dürfte sich auf die Realität längst nicht mehr einlassen, sondern in der Erzählung vom Fake-Video stecken bleiben. Insofern wirken die AfD-Filmchen wie gezielte Propaganda inklusive Opferrolle mit dem einen Ergebnis, dass die Produktionsfirma eine antisemitische Morddrohung erreichte. „Und es sind wieder Juden wie ihr die so Hetze betreiben. …Euch muss man ermorden.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier AfD

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