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Rote Flora in Hamburg Autoritäre Sehnsüchte

Den Politikern, die die Schließung der Roten Flora fordern, geht es nicht um Fakten oder Aufklärung. Ein Kommentar.

G20 Gipfel - Proteste
Randalierer stehen im Schanzenviertel in Hamburg vor einer brennenden Barrikade. Foto: dpa

Noch ist längst nicht aufgearbeitet, was sich Freitagnacht im Hamburger Schanzenviertel zutrug, wer mit wem Barrikaden anzündete und welche Strategie die Polizei verfolgte. Politikern, die jetzt die „gewaltsame Räumung“ der Roten Flora fordern, ist das aber egal – um Fakten und Aufklärung geht es ihnen nicht.

Mit Subkultur schmückt sich Politik gern, wenn sie der Aufwertung von Stadtteilen dient. Aber im Moment will man eben Härte zeigen. Dabei geben sich Vertreter des besetzten Zentrums bei der Aufarbeitung längst selbstkritischer als der Hamburger Senat, gehen inzwischen deutlich auf Distanz zu den Ausschreitungen. Flora-Aktivisten haben aber auch in der Vergangenheit schon zur Deeskalation der einst rituellen Schanzenfest-Krawalle beigetragen.

Räumung der Roten Flora wäre falsch

Eine Räumung der Roten Flora würde vor allem eines – einen massiven Konflikt neu entfachen. Schon die Forderung ist aber mit einem modernen Verständnis von Rechtsstaat nicht vereinbar, der Vergeltung und Sippenhaftung ja überwinden will. Sie offenbart dabei auch: Viele können sich wohl nicht vorstellen, dass eine alles andere als homogene Szene gar keine zentrale Kommandostelle hat, von der aus Befehle erteilt werden.

Man könnte stattdessen etwa darüber sprechen, wieso sich offenbar auch etliche Jugendliche, die mit Autonomen nichts zu tun haben, an der Gewalt beteiligten. Aber der Aktionismus der letzten Tage zeigt: Nach dem Kontrollverlust will so mancher keine Fragen stellen, sondern autoritäre Sehnsüchte bedienen.

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