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Peter Tauber Der Vollzeittwitterer

CDU-Generalsekretär Peter Tauber teilt sich gern via Twitter mit. Das ist gut. Die Wähler lernen ihn so kennen - ganz authentisch. Die Analyse.

CDU
Peter Tauber scheint sich vertwittert zu haben. Foto: dpa

Es gibt Politiker, für die ist Twitter eine Vollzeitbeschäftigung. Das Pensum ihres Gezwitschers, die Intensität des Schlagabtauschs, den sie sich mit kritischen Wählern und politischen Kontrahenten liefern – die sind mit einem Minijob nicht zu bewältigen. Der CDU Generalsekretär Peter Tauber ist so ein Politiker. Als Vollzeittwitterer braucht er keinen Minijob.

„Wenn Sie was Ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs“, schrieb Tauber am Montagabend einem Twitterer als Antwort. Jener hatte Tauber, der einen Zeitungsartikel mit den Worten zusammenfasste „Vollbeschäftigung“ sei besser als „Gerechtigkeit“, gefragt: „Heißt das jetzt drei Minijobs für mich?“ Und eben die sinngemäße Antwort bekommen: Selber schuld.

Taubers Vieltwitterei ist sicher keine angemessene Erklärung dafür, dass er so wenig Empathie für Menschen aufbringt, die gezwungen sind, sich mit mehreren Minijobs über Wasser zu halten. Wenn ein Privilegierter über Benachteiligte herzieht, wird er schon selber wissen, warum.

Aber die Nacht auf Dienstag muss für Tauber eher ungemütlich gewesen sein. Auf seine wenig humane Antwort folgte ein Shitstorm: Empörung, Kritik, Vorwürfe. Und früh am Dienstagmorgen folgte dann die Entschuldigung.

Das Wunderbare an Twitter ist: Es lebt von Impulsivität. Und das Wunderbare an Impulsivität ist: Sie ist so ehrlich, so authentisch, so entlarvend.

Taubers Entschuldigung ist glaubwürdig, aber sie ändert nichts. In der Diskussion über seinen hämischen Tweet verwies er darauf, dass er eigentlich die Bedeutung von guter Ausbildung hervorheben wollte. Aber Fakt ist, dass eine gute Ausbildung nicht vom Willen eines Menschen allein abhängt, sondern viel öfter von den Möglichkeiten, in denen sich sein Leben entfaltet und sein Wille sich entwickelt – oder eben nicht.

Neoliberaler Mythos von Leistung und Lohn

Der neoliberale Mythos von Leistung und Lohn, der aus Taubers Worten dringt, ist die eigentlich erschreckende Botschaft. Obwohl nicht gerade als sozialistisch verdächtige Organisationen wie die OECD, die Weltbank und der IWF mahnen, dass die Gerechtigkeit in der Arbeitswelt verloren geht, halten Tauber und die Union mit ihrem Wahlprogramm an der gefährlichen Entwicklung fest, die besagt, dass Leistung sich eben nicht lohnt.

Denn all die Menschen, die vergleichsweise wenig verdienen, leisten meistens sehr, sehr viel. Nur findet ihr Leben leider abseits des Lebens von Tauber statt. Der Privilegierte erlebt selten den Alltag eines Minijobbers. Deswegen kann er so leicht über ihn herziehen.

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