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New York Times Die Republikaner verlassen das sinkende Schiff

Wer ist der anonyme Feind von Donald Trump im Weißen Haus? Und warum bleibt er anonym? Ein Kommentar der FR zum Gastbeitrag der New York Times.

Widerstand gegen Trump
Die New York Times druckt einen Gastbeitrag, der Donalds Trump Regierungsstil attackiert. Foto: dpa

Wieder einmal ist er in Bedrängnis. Wieder einmal aus den eigenen Reihen. Man muss lange suchen, bis man einen US-Präsidenten findet, der so oft so kurz vor dem vorzeitigen Ende seiner Amtszeit war wie Donald Trump – nur, um dann doch im Amt zu bleiben.

Diesmal veröffentlichte die New York Times einen Gastbeitrag aus anonymer Feder, überschrieben mit dem Titel „Ich bin Teil des Widerstands in der Trump-Administration“. Das klingt nach Che Guevara auf Kuba oder zumindest nach Admiral Ackbar im Krieg der Sterne. Auf jeden Fall sehr bedeutend.

Laut der Times handelt es sich bei dem Autor oder der Autorin (die englische Sprache ist in der Lage, das Geschlecht der Person zu verschleiern) um einen leitenden Beamten oder eine Beamtin innerhalb der Trump-Administration. Jemand, der oder die sich im Gegensatz zum Präsidenten dem Wohle des Landes verpflichtet fühle. Der oder die die Wurzel des Problems in der „Amoralität des Präsidenten“ sieht.

Donald Trump spricht von „Verrat“

Mit konservativen Werten habe Trump nichts am Hut, ihn interessiere weder die Freiheit des Einzelnen noch der freie Markt. Auch wenn nicht alles schlecht gewesen sei, schreibt die Quelle. Die Steuerreform, die reiche Leute entlastet und die Staatsverschuldung explodieren lässt, zum Beispiel. Oder die Erhöhung des Militäretats, der vorher schon der mit Abstand höchste weltweit war, der aber jetzt der US Army ermöglicht, noch mehr Waffen zu kaufen, während sich die Abgehängten zuhause weiter keinen Zahnarztbesuch leisten können.

Auch Trumps Außenpolitik kritisiert der anonyme Schreiber (seien wir ehrlich: es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Mann; so viele Frauen sind es nicht in Donalds Führungsriege). Der Präsident würde sich an Autokraten und Diktatoren hängen und Verbündete brüskieren.

Es wäre alles noch viel schlimmer, gebe es nicht die geheimen Helden im Weißen Haus, zu denen sich der Autor wohl auch selbst zählt.  Sie seien es, die durch ihre Arbeit die Auswirkungen der schlechten und wechselhaften Entscheidungen des Präsidenten abfedern. Amerika könne beruhigt sein, es gebe „noch Erwachsene im Raum“. So steht das in dem Gastbeitrag einer Person, die mit dafür verantwortlich sein dürfte, dass ein ungezogenes Kind im Körper eines 72-jährigen Multi-Milliardärs auf dem Stuhl hinter dem großen Schreibtisch im Oval Office sitzt – und sitzen bleibt.

Denn der anonyme Autor bringt zwar den 25. Zusatzartikel der Verfassung ins Spiel, der regelt, unter welchen Bedingungen eine Präsidentschaft vorzeitig beendet werden kann. Aber weil man keine Verfassungskrise wolle, lässt man lieber einen unfähigen, amoralischen Hitzkopf im Amt, anstatt die Verfassung anzuwenden.

Kongresswahlen stehen an

Das klingt dünn, konstruiert und irgendwie heuchlerisch. Trump selbst nannte den Text „feige“ und man muss wohl zustimmen. Ein leitender Beamter aus dem Weißen Haus sollte sowohl die Vita als auch die finanziellen Rücklagen haben, öffentlich Stellung zu beziehen, um Schaden von Staat und Nation abzuwenden. Selbst wenn das bedeutet, dass er seinen momentanen Job verlieren würde. Es wird sich schon was finden für ihn, soll er halt ein Buch schreiben.

So bleibt es das Statement eines Republikaners, der versucht, mitsamt seiner Partei vom sinkenden Tanker des Trump’schen Populismus zu springen, bevor der im Meer versinkt. Am besten noch vor dem 1. November, wenn die Kongresswahlen anstehen und die Republikaner fürchten müssen, ihre Mehrheit zu verlieren. Es ist aber genau der Tanker, den die Republikaner vor zwei Jahren noch aus purer Verzweiflung ob der eigenen Ideen- und Gesichtslosigkeit bestiegen hatten.

Was der anonyme Autor schreibt, ist sicherlich wahr. Es ist aber eben auch ein recht billiger Versuch der Republikaner, sich selbst zu retten, ohne einen der ihren zum Königsmörder machen zu müssen. Deshalb wird munter weiter Politik mit Trump gemacht, die Spaltung des Landes vorangetrieben, der Rassismus geschürt und die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinandergetrieben.

So sehr sich viele Trump-Kritiker innerhalb wie außerhalb der USA seine Amtsenthebung wünschen – man muss sich vergegenwärtigen, was eine Anwendung des 25. Zusatzartikels bedeuten würde. Die Menschheit wäre Trump als Präsidenten los und Donald könnte wieder machen, was er am besten kann: Reality-TV. Aber es würde kein neuer Präsident gewählt werden. Mike Pence würde übernehmen. Ein fundamentalistischer Christ, für den das Recht auf Abtreibung ebenso verboten gehört wie die gleichgeschlechtliche Ehe. Der die Evolutionstheorie für eine Lüge hält genau wie den Klimawandel. Trump mag ein populistischer Narziss sein, ohne politische Agenda. Pence befindet sich dagegen auf einer religiösen Mission, auf die ihn Gott persönlich geschickt hat. Wer ist da das kleinere Übel?

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