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Midterms in den USA 2018 Die Quittung für Trumps Machotum

Es sind die Frauen, die den Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus sichern. Ihr Vormarsch ist die Reaktion auf Trumps Verachtung. Ein Kommentar.

Donald Trump
Donald Trump bekommt die Quittung für sein Machotum von Amerikas Frauen. Foto: dpa

Alexandria Ocasio, Ilhan Omar, Rashida Tlaib, Sharice Davids, Deb Haaland sind nur die bekanntesten Namen. Es sind die Frauen, die für den Sieg der Demokraten bei den Kongresswahlen sorgen. Noch nie zuvor waren so viele Frauen angetreten, noch nie zuvor haben so viele gewonnen.

Man mag sich weiter darüber streiten, ob die Gewinne der Demokraten genug sind, um von einer „Blauen Welle“ zu sprechen, die über den Kongress hereinbricht. Es ist aber eindeutig, dass eine „Women Wave“ durch Washington schwappt, die einen Rekord nach dem nächsten knackt. Beispiele gefällig?

Mehr Frauen im Repräsentantenhaus als jemals zuvor

28 Debütantinnen ziehen ins Repräsentantenhaus ein, mehr als jemals zuvor. Der bisherige Rekord lag bei 24 Frauen, die erstmals gewählt wurden. Das war im Jahr 1992, bislang das „Jahr der Frauen“. Schon die mehr als 500 Kandidatinnen für Sitze im Senat und im Repräsentantenhaus waren ein Rekord.

Bereits fest steht, dass insgesamt und parteiübergreifend (wenn auch zum Großteil demokratisch) mindestens 92 Frauen Sitze im Repräsentantenhaus einnehmen werden. Bislang gab es nie mehr als 84 weibliche Abgeordnete von 435. 38 schwarze Frauen werden künftig im Repräsentantenhaus arbeiten, das sind ebenfalls mehr als jemals zuvor.

Und auch im Senat sind die Frauen auf dem Vormarsch. Marsha Blackburn ist die erste Senatorin im Bundesstaat Tennessee, Laura Kelly besiegte in Kansas Kris Kobach, der im Wahlkampf viel Unterstützung von Donald Trump erhalten hatte. In Michigan erobert Gretchem Whitmer das Gouverneursamt und alle weiteren wichtigen Posten,  die zur Wahl standen, gehen an Frauen.

Welche Frau wählt noch Donald Trump?

Man braucht eigentlich keine Statistiken zur Wählerwanderung, um sich den Wahlerfolg der Kandidatinnen zu erklären. Man braucht vielmehr echte Fantasie und einen tiefen Realitätsverlust, geht man als Frau in die Wahlkabine und wählt zum jetzigen Zeitpunkt die Partei von Donald Trump – der Präsident, der seit Jahrzehnten seine tiefe Abneigung gegenüber allen Frauen (bis auf seine Mutter und Tochter) zur Schau trägt, der sich über mutmaßliche Missbrauchsopfer lustig macht, der Missbrauchsvorwürfe bagatellisiert oder ins Lächerliche zieht.

Die Vereinigten Staaten bleiben weiter ein geteiltes Land, in dem die stark bevölkerten Küstenregionen mit ihren urbanen Gegenden rund um Los Angeles, San Francisco, von Boston über New York bis Washington ein ländlich geprägtes Zentrum umfassen, in dem der Bildungsgrad geringer, das Land dafür umso weiter und die Ängste offenbar entsprechend größer sind.

Demagoge mit Promifaktor

Donald Trump bleibt weiter ein Demagoge mit Promifaktor, der sich einen maßgeblichen Anteil an den Erfolgen der Republikaner bei den Senatswahlen auf die Fahne schreiben kann. Seine Wahlkampfauftritte haben immer noch den intendierten Effekt, und so sehr seine eitle Hybris auch bei den einen Ekelanfälle auslösen mag- sie wirkt auf große Teile der anderen wie ein Magnet in Richtung Wahlkabine.

Und natürlich ist die Gleichberechtigung jetzt nicht erreicht. Frauen verdienen weiterhin weniger für dieselbe Arbeit, sind häufiger Opfer gewalttätiger Übergriffe und müssen weiter um die Anerkennung und Wahrnehmung kämpfen, die für Männer selbstverständlich sind.

Aber zumindest sind es Frauen wie Nancy Pelosi, die neue Mehrheitsführerin im Repräsentantenhaus, die Donald Trump in Zukunft das Leben schwer machen werden. Die seine Steuererklärung veröffentlichen, den wahnwitzigen Bau einer Mauer zu Mexiko verhindern und die Untersuchungen von Robert Mueller schützen werden.

Die Quittung für sein Mittealter-Machotum bekommt Trump auf Raten. Die erste war bei diesen Midterms fällig, die nächste sollten ihm die amerikanischen Wählerinnen in zwei Jahren bei den Präsidentschaftswahlen in Rechnung stellen. Dann hat der Spuk hoffentlich ein Ende.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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