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#MeTwo Hauptsache, die Kartoffel ist nicht Schuld

Für FDP-Chef Christian Lindner ist der Hashtag MeTwo einseitig. Denn schließlich würden Menschen mit Migrationshintergrund sich auch nicht genug bemühen, sich zu integrieren. Ein Kommentar.

Christian Lindner
Christian Lindner hat auch was zur #MeTwo beizutragen.Leider befeuert er nur weiter den Rassismus in Deutschland. Foto: Imago

Christian Lindner hat es schon wieder getan. Nachdem er bereits im Mai mit seiner  Brötchengeschichte  unangenehm aufgefallen ist, und ihm nicht zu Unrecht Rassismus unterstellt wurde, legt der FDP-Chef nun noch einen drauf.

Die #MeTwo-Debatte sei einseitig, sagt Lindner. Einseitig also. Ein Hashtag, der dafür steht, wie Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland diskriminiert werden, ist dem deutschen, blonden Christian Lindner zu einseitig.

Er erklärt warum: „Wir erleben in Deutschland seit langem eine Alltagsdiskriminierung von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, vor allem aus der Türkei. Zu dieser Debatte gehört aber ein zweiter Aspekt. In der türkeistämmigen Gemeinschaft gibt es eine Geringschätzung freiheitlicher Werte. Bemühungen, sich zu integrieren, werden vernachlässigt.“

Was Christian Lindner da eigentlich sagt, ist: Ihr dürft euch nicht wundern, wenn ihr diskriminiert werdet. Selbst Schuld, ihr müsst euch schon besser integrieren, dann müssten wir euch auch nicht diskriminieren.

Mal ganz davon abgesehen, dass er mit seiner Aussage völlig außen vor lässt, dass es bei #MeTwo nicht nur um türkischstämmige Menschen geht, sondern um die Diskriminierung von allen Menschen mit Migrationshintergrund. Außerdem wirft er, ganz in der guten alten rassistischen Tradition der Pauschalisierung, alle Türken in einen Topf.

Christian Lindner macht Rassismus salonfähig

Lindner scheint eine zentrale Sache zu vergessen: Dass man sich nicht integrieren kann, wenn man aufgrund seiner Herkunft, seiner Hautfarbe usw. keinen Job und keine Wohnung findet, schon in der Schule erzählt bekommt, dass sowieso nichts aus einem wird und immer wieder Alltagsrassismus ausgesetzt ist, der klar macht: Du gehörst nicht zu uns.

Christian Lindner will ja eigentlich darauf hinaus, dass an der Alltagsdiskriminierung, die Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland erfahren, nicht der gute deutsche Bürger Schuld ist. Die gute Kartoffel würde doch nie einfach so jemanden diskriminieren.

Lindners Aussage befeuert mal wieder die Haltung der Rassisten und liefert ihnen einen Grund, türkischstämmige Deutsche, und - wenn sie gerade dabei sind - auch alle anderen, die nicht biodeutsch aussehen, zu diskriminieren. Rassismus wird dank solcher Aussagen salonfähig.

Das Wichtigste ist aber: #MeTwo ist keine Debatte. Hier wird nicht diskutiert, ob die Diskriminierung nicht doch irgendwie angebracht ist oder woher sie kommt. Es kann und wird nie einen anderen Grund für Diskriminierung von Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund geben als Rassismus.

#MeTwo ist eine Bewegung, die endlich mal laut ausspricht, wie Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland behandelt werden. Und warum das so ist: Weil in Deutschland der offene wie der unterschwellige Rassismus tief verwurzelt und weit verbreitet ist. Und nicht weil sich der Türke nicht benimmt, lieber Herr Lindner.

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