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#MeToo Die Ignoranz der Frauen

Auch mächtige Frauen wie die Linken-Politikerin Wagenknecht sollten die Existenz eines Systems der sexualisierten Machtausübung anerkennen. Ein Kommentar.

Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht hat mit ihrer Aussage zu sexuellen Belästigungen einen fragwürdigen Beitrag geleistet. Foto: dpa

Es ist ein eigenartiger Beitrag zur #MeToo-Debatte, den sich Sahra Wagenknecht da geleistet hat. Natürlich sei es eine „üble Geschichte“, wenn wirtschaftliche Abhängigkeit ausgenutzt werde, um Frauen oder auch Männer zu belästigen, sagte die Linken-Fraktionschefin dem Portal T-Online. Etwas anderes sei es aber, wenn solche Abhängigkeiten nicht existierten. „Natürlich werde auch ich mal blöd angebaggert, aber da kann ich doch selbstbewusst Grenzen setzen, und muss mich nicht über Twitter ausweinen.“

Nun könnte man sich für Wagenknecht freuen, dass sie so eine starke Frau ist. Eine, an der die Hände der Grabscher abgleiten wie Bratkartoffeln am Teflon. Oder man könnte – auf Twitter und anderswo – darüber weinen, dass einer führenden deutschen Linken-Politikerin zum Thema Sexismus in der Politik nichts anderes einfällt, als das Problem auf tumbe Anmachsprüche und die adäquate Reaktion der betroffenen Frauen zu reduzieren. Zu Birgit Kelles „Dann mach doch die Bluse zu“ ist es von hier aus nur ein kleiner Schritt.

Die #MeToo-Bewegung hat noch viel zu tun, solange sich nicht nur mächtige Männer, sondern auch mächtige Frauen wie Wagenknecht derart weigern, die Existenz eines Systems sexualisierter Machtausübung anzuerkennen.

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