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Mesut Özil Der Irrsinn mit Mesut Özil

Es gehört zu Mesut Özils persönlicher Tragik, dass ausgerechnet er zum Bolzball seiner türkischen Berater, der Wahlkampagne des Präsidenten Erdogan, des DFB und von Rassismus geworden ist. Ein Kommentar.

Mesut Özil
Mesut Özil hat den Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekanntgegeben. Foto: dpa

Erkut Sögüt hat in einem Interview mal gesagt: „Spieler zu beraten, ist wie eine Gehirnoperation.“ Sögüt ist der Berater von Mesut Özil, in dessen eigens für den Fußballprofi gegründeten Agentur „Özil Marketing“ gleich ein halbes Dutzend Leute als Spin Doctoren für den 29-Jährigen tätig sind. Sögüt, ein Doktor der Sportjuristerei, ist außerdem mit der ARP Sportmarketing als deren Vertreter für den englischen Markt verbandelt. Geschäftsführer der Agentur ist Harun Arslan, der für Joachim Löw schon die Bundestrainerverträge mit dem DFB auszuhandeln pflegt.

Die Verästelungen und der Hinweis auf die Gehirnwäsche, die er seinen Klienten angedeihen lässt, sind vor dem Hintergrund dessen, was der Fußballwelt da gerade an Irrsinn geboten wird, nicht uninteressant. Und ja, man wüsste gerade jetzt gern mehr darüber, inwiefern der Bundestrainer befangen ist vor dem Hintergrund der Inszenierung, die sich der geniale Fußballspieler und schlichte Charakter Mesut Özil so ja niemals selber ausgedacht haben kann. Wie steht der Bundestrainer dazu, dass sein jahrelanger Lieblingsspieler offenbar mithilfe der Löw-Beratungsagentur eine ganz eigene moralische Messlatte anlegt, den DFB-Generalsponsor berechtigterweise scharf kritisiert, dabei aber die von der Regierung Erdogan zu verantwortenden Menschenrechtsverletzungen, die tausendfachen Verhaftungen missliebiger Journalisten und Beamter auch nach mehrmaligem Nachdenken schlichtweg ignoriert. Löw sollte um eine Erläuterung auf diese drängenden Fragen bitte nicht herumkommen.

Wie viel Hirnschmalz von Özil und wie viel seiner diversen Berater in den aktuellen Erklärungen auch drinstecken mag – sie zeichnen leider ein Bild eines Clans, dem selbst der leiseste Hauch von Selbstkritik abgeht. Und der ein Zerrbild von Deutschland und seiner Medienlandschaft zeichnet, in dem diejenigen, die Özil bislang vehement gegen Angriffe von Rechts verteidigt haben, gar nicht vorkommen. Was seine Sponsoren anging, dort, wo das dicke Geld verdient wird, hat Özil es geschafft, zwischen Adidas (gut) und Mercedes (böse) zu differenzieren. Zu erkennen, dass sich der Großteil der deutschen Presse aber sehr kritisch den Auswüchsen der reaktionären Politik entgegengestellt hat, dürfte dann aber schon zu viel verlangt gewesen sein.

Özil konnte nichts dafür, dass der DFB und die Kanzlerin den schüchternen Burschen gegen dessen erkennbaren Willen zum Integrationsbotschafter stilisiert haben. Er war damit schon immer heillos überfordert. Alle Beteiligten wussten das sehr genau. Aber es war ihnen des schönen Scheins wegen egal. Jetzt zahlen sie einen hohen Preis dafür, und eine gespaltene Gesellschaft zahlt diesen Preis gleich mit.

Es gehört zu Özils persönlicher Tragik, dass ausgerechnet er zum Bolzball seiner türkischen Berater, der geglückten Wahlkampagne des Präsidenten Erdogan, des DFB bei dessen missratener Titelverteidigung und einer auch von enthemmter Bösartigkeit getriebenen Debatte auf dem Resonanzboden von Rassismus geworden ist, gegen den jeder mal treten durfte. Dabei wollte der Mesut doch immer nur gut Fußball spielen. Man darf für ihn hoffen, dass das unheilvolle Gezerre wenigstens bald ein Ende hat. Wenn auch ein wenig rühmliches.

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