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Merz, Spahn und Karrenbauer Der Streit um die Merkel-Nachfolge wird persönlich

Im Rennen um die Nachfolge von Angela Merkel macht Jens Spahn eine Kampfansage. Der Dreikampf verspricht Spannung. Ein Kommentar.

Kandidaten für den CDU Bundesvorsitz
Kontrahenten Merz (l.), Kramp-Karrenbauer, Spahn: Talent zum Zuspitzen. Foto: Michael Kappeler (dpa)

Wer dachte, der Streit um die Nachfolge von Angela Merkel würde so einschläfernd wie die üblichen Schaukämpfe in der Union, der sollte das jüngste Interview mit Jens Spahn lesen.

Spahn, einer von drei Bewerbern für den Parteivorsitz, setzt in dem Gespräch den Ton. Der Mitbewerber Friedrich Merz? Er selbst, sagt Spahn auf die Frage, müsse seine Positionen „nicht anpassen, nichts verbiegen oder relativieren“. Seine Konkurrentin Annegret Kramp-Karrenbauer? Die habe, deutet er an, seine (Homo-)Ehe in einem Atemzug mit Inzest und Polygamie genannt.

Das sitzt. Spahn ist 38 Jahre jung, aber Profi genug, seine Angriffe vorsichtig zu formulieren und gleichzeitig so, dass jeder Stich sitzt. 

Die Attacke ist ungewöhnlich scharf. Der Dreikampf wird, das deutet sich an, persönlich. Vielleicht wird er schmutzig, sicher aufreibend für die Beteiligten – und für alle anderen unterhaltsam. Die nächsten Wochen werden in der CDU aus mehreren Gründen spannend:

1. Die Kandidaten stehen für eindeutige Alternativen

Wirtschaftspolitisch steht mit Friedrich Merz ein echter Kapitalist zur Wahl. Für politische Gegner verkörpert er wegen seiner Posten unter anderem bei Blackrock das Feindbild des Neoliberalen, im konservativen Lager ist sein Profil und seine Nähe zur privaten Wirtschaft eine Stärke. Merz hat angekündigt, er wolle die Hälfte der AfD-Wähler zurückgewinnen.

Mit Annegret Kramp-Karrenbauer könnte die sozialdemokratisch geprägte Politik von Angela Merkel weitergehen, die eher auf Wähler von SPD und Grünen zielt. Jens Spahn würde zumindest symbolisch eine härtere Haltung gegenüber Flüchtlingen einnehmen. Spahn will ein stärkeres Mandat für Frontex, betont den Schutz der Außengrenzen. Die Ablehnung der Flüchtlingspolitik von Merkel ist sein Markenkern.

2. Es gibt persönliche Differenzen

Jens Spahn lebt in einer homosexuellen Partnerschaft, Annegret Kramp-Karrenbauer lehnt die Ehe für Alle ab. Sollte das Thema zur Sprache kommen, droht der Streit hitzig zu werden.

Eine persönliche Note hat auch der überraschende Auftritt von Friedrich Merz. Der wurde einst von der Kanzlerin ausgebootet, kommt jetzt nach vielen Jahren aus der Deckung. Noch gibt Merz sich konziliant gegenüber Merkel – aber bleibt das so, wenn er sein Ziel (den Parteivorsitz) erreicht hat?

3. Der Charakter der Kandidaten

Mit Spahn und Merz treten zwei polarisierende Politiker an. Gesundheitsminister Spahn, 38 Jahre, drängt seit Monaten an die Öffentlichkeit und mischt sich gern  in andere Fachbereiche ein. Offensichtlich gefällt er sich in der Rolle des Brutus – weshalb sein Erfolg mit der Frage zusammenhängt, wie groß der Ärger über Merkel ist.  Friedrich Merz gibt sich diplomatischer, hat aber eine ähnliche Zielgruppe. Und wie Spahn hat er ein Talent zum Zuspitzen, siehe Bierdeckel-Steuerreform.

4. Parteichef = Kanzler?

Traditionell gehören in der CDU Parteivorsitz und Kanzleramt zusammen. Angela Merkel bleibt vielleicht bis zum Ende ihrer Amtszeit Kanzlerin, doch es ist klar, dass sie nicht erneut zur Wahl antritt. Der nächste Parteichef wird sie beerben,  und wegen der Schwäche der SPD hat der nächste CDU-Kanzlerkandidat gute Karten.

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