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López Obrador Mexikos Hoffnung

Das Ergebnis von Wahlsieger López Obrador in Mexiko ist Vertrauensvorschuss und Hypothek zugleich. Unser Kommentar.

Mexiko
Die Menschen feiern den Sieg von Andres Manuel Lopez Obrador auf dem Zocalo-Platz in Mexiko-Stadt. Foto: afp

Das Ergebnis der Präsidentenwahl in Mexiko kann man bedenkenlos als epochal bezeichnen. Im verkrusteten und von Eliten dominierten zweitgrößten Land Lateinamerikas hat zum ersten Mal in der Geschichte ein Anti-System-Kandidat gewonnen, ein Linker, einer der bewusst der „Mafia der Macht“ den Kampf angesagt hat, der mit fast all dem brechen will, was Mexiko bisher ausgemacht hat. Dafür haben ihn mehr als die Hälfte der Menschen gewählt. Es ist ein riesiger Vertrauensvorschuss, aber auch eine gewaltige Hypothek für Andrés Manuel López Obrador. Und die Gefahr ist groß, dass er den Erwartungen nicht gerecht wird.

Viele haben den Kandidaten der Mitte-links-Sammelbewegung Morena aus Überzeugung gewählt, aber mindestens genauso viele haben ihm die Stimme gegeben, weil sie überzeugt sind, dass es mit ihm nicht noch schlechter werden kann. Seine Wahl ist in Teilen demnach auch eine Wahl aus Wut und Hoffnungslosigkeit angesichts des Versagens der beiden Parteien PRI und PAN, die Mexiko fast ein Jahrhundert regiert haben.

Die Aufgaben, die López Obrador bevorstehen, sind außergewöhnlich groß: Drogenkrieg, Korruption, soziale Ungleichheit, Armutsbekämpfung und dann noch das Verhältnis zu den USA mit drohendem Mauerbau und möglichem Ausstieg Washingtons aus dem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen Nafta. An all diesen Punkten muss er in den sechs Jahren seiner Amtszeit schnell erfolgreich sein. Das ist kaum zu schaffen, zumal ihm in Washington Donald Trump das Leben schwer machen wird.

Außerdem muss Obrador das erfolgreiche mit dem vergessenen Mexiko versöhnen. Die zweitgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas gehört zu den bedeutendsten Industrienationen der Welt und ist ein erfolgreiches und aufstrebendes Schwellenland. Aber Mexiko ist eben auch ein riesiger Friedhof mit 200 000 Toten und 37 000 Verschwundenen und einer mittelalterlich anmutenden Gewalt.

Es ist der reiche Norden und der bettelarme Süden. Mexiko ist so entwickelt wie Europa und so rückständig wie Afrika. Vor allem jener übersehene und ausgegrenzte Teil Mexikos drängt jetzt unter Obrador ins Licht. „Zum Wohle aller, müssen wir uns in erster Linie um die Armen und Ausgegrenzten kümmern“, sagte der Wahlsieger nach dem Triumph. Damit lassen sich demnach auch die großen Probleme wie Korruption und Gewalt lösen.

Obrador hat fast sein ganzes politisches Leben auf diesen 1. Juli 2018 hingearbeitet, sich gegen alle Widerstände durchgesetzt und jeden Wahlbetrug am Ende hingenommen. Wenn er in seiner Regierungsarbeit seine Versprechen genauso hartnäckig umsetzt wie er an seine Chance geglaubt hat, kann es was werden mit der versprochenen Transformation Mexikos.

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