Lade Inhalte...

Labour-Party Corbyns falsche Strategie

Mit Schweigen zum Brexit gewinnt man keine Wahl in Großbritannien. Ein Kommentar.

Jeremy Corbyn
Großbritanniens Oppositionsführer warf sich mit vollem Gewicht in den englischen Kommunalwahlkampf. Foto: rtr

Wie kaum ein Oppositionsführer vor ihm hat sich Jeremy Corbyn in den englischen Kommunalwahlkampf geworfen. Höchstselbst führte der Labour-Vorsitzende seine enthusiastischen jungen Gefolgsleute in die Schlacht um Kommunalvertretungen in London und anderswo, wo die alte Arbeiterpartei teilweise seit Jahrzehnten keinen Stich mehr gemacht hatte.

Am Freitag morgen gab es lange Gesichter. Die Arbeiterpartei hatte kaum Mandate hinzugewonnen und keines der angepeilten Rathäuser erobert. Die heillos zerstrittenen Torys unter der mediokren Premierministerin Theresa May glichen ihre Verluste aus, indem sie Stimmen der EU-feindlichen Ukip absaugten. Die kleinen Liberaldemokraten holten sich mit einer klaren Absage an den Brexit den Londoner Bezirk Richmond.

Gewiss geht es in der Kommunalpolitik vor allem um Schlaglöcher, Mülltonnen und Einbrüche. Aber das zukünftige Verhältnis zu Europa bleibt das überragende Thema britischer Politik. In Corbyns Wahlkampfreden war davon nicht einmal die Rede. Das stellt sich als Versäumnis heraus.

Nach Corbyns überraschend gutem Abschneiden im vergangenen Jahr glaubten viele aus der alt-linken Riege um den EU-skeptischen Veteranen, die Macht werde ihnen früher oder später in den Schoss fallen. Angesichts der Lähmung in Mays Regierung könnte dieser Fall noch immer eintreten. Das enttäuschende Abschneiden vom Donnerstag hat ihn unwahrscheinlicher gemacht. 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen