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Kommunion-Streit Papst lässt Bischöfe im Regen stehen

Den Papst lässt der selbst eingeladene Bischofsbesuch aus Deutschland kalt. Das Krisengespräch in Rom verläuft ohne ihn. Eine Finte gegen das deutsche Kleinklein lässt er sich eben nicht nehmen. Eine Analyse.

Papst Franziskus
Papst Franziskus hat sich für die Anliegen der deutschen Bischöfe gar nicht erst die Zeit genommen. Foto: rtr

Sie hatten geglaubt, der Papst würde das Ruder nochmal rumreißen und den deutschen Episkopat zurückrudern lassen. Dieser hatte Anfang des Jahres mit Zwei-Drittel-Mehrheit beschlossen, dass der evangelische Ehepartner eines Katholiken auch die katholische Kommunion empfangen kann, wenn es seelsorglich geboten ist. Als wäre das in den Gemeinden bis dato nicht schon seit Jahren gängige Praxis gewesen, bischöflicher Segen hin oder her.

Sieben Bischöfe, gewiss nicht die liberalen Speerspitzen unter dem deutschen Episkopat, haben nun, da die Bischöfe die Praxis mehrheitlich abgesegnet haben, den Aufstand geprobt. Wohl in der kleingläubigen Hoffnung, der Papst würde sich ihren Bedenken anschließen und den Beschluss in die Tonne treten, haben sie von Rom um Direktive gebeten. Dort traf man sich am Donnerstag zum Krisengespräch.

Bischöfe sollten längst „mutig und entschlossen“ sein

Dort hat Papst Franziskus indessen  längst den Nährboden für die Zwei-Drittel-Mehrheitsmeinung der deutschen Bischöfe bereitet. In einer evangelischen Gemeinde in Rom antwortete er auf die Frage einer Protestantin, ob sie mit ihrem katholischen Ehegatten zur Kommunion gehen, kühn: „Sprecht mit dem Herrn und geht voran. Ich wage nicht mehr zu sagen.“ Ökumenischen Wagemut hat er wiederum gerade von den Bischöfen aus dem Reformationsland Deutschland  gefordert, sie zum Reformationsjubiläum geradezu aufgefordert, „mutig und entschlossen auf eine immer vollkommenere Einheit hin fortzuschreiten“.

Auf Papst Franziskus kann sich kein Katholik, auch kein Bischof berufen, der an ewig-gestrigen Pseudo-Richtigkeiten festhalten will. Franziskus kam denn auch gar nicht erst zu dem Treffen, das langer Hand geplant war. Ein deutliches Zeichen dafür, wie wenig Verständnis er für das Kleinklein der sieben Papst-Schreiber aus Deutschland hat. Dass er das Treffen dabei selbst arrangiert hat, entbehrt dabei nicht zu knapp an Ironie.

Und mit welcher Direktive sind die Bischöfe nun wieder abgereist? Auch das ein typischer Franziskus: Er ersuche die Bischöfe, „im Geist kirchlicher Gemeinschaft eine möglichst einmütige Regelung zu finden“, so seine knappe Mitteilung. Franziskus spielt den Ball zurück an den deutschen Episkopat. Soll heißen: Regelt euren Kram allein.

Und tatsächlich steht der Kommunion-Komödie ein dritter Akt bevor, wie der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Knopp, auf FR-Anfrage wissen ließ: „Der Ständige Rat im Juni wird sich mit der Thematik befassen. Mehr kann ich dazu nicht sagen.“

Nur gut, dass Katholiken, pardon, Protestanten ihre Kommunion am Sonntag derweil schon gereicht bekommen. Sogar von zwei Dritteln der deutschen Bischöfe.

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