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Kommentar Über 2015 hinausdenken

Wer wegen der Vorfälle in Chemnitz nur Populismuspunkte sammeln will, der vergibt die Chance über die Versäumnisse zu reden.

Chemnitz bleibt ein Reizthema für die Republik, obwohl es doch aus Sicht vieler Medien und Politiker um eine simple Frage geht: Pro Neonazis – oder dagegen? Dass das zu einfach gedacht ist, zeigen Leserbriefe, Online-Kommentarspalten und Äußerungen wie die von FDP-Bundesvize Wolfgang Kubicki: Hinter dem Krawall stecke die Entfremdung von einer Flüchtlingspolitik des „Wir schaffen das“ von 2015.

Wenn man an den Wahlkampf denkt, in dem Angela Merkel nicht nur im Osten immer wieder ausgepfiffen wurde, klingt das plausibel: Diese Lesart ist falsch. Schon zu den Pegida-Demos kamen 2014 Zehntausende nach Dresden: In Rostock beklatschten Bürger 1992 Attacken auf vietnamesische Vertragsarbeiter. In Hoyerswerda beteiligten sich 1991 Hunderte Anwohner an Angriffen auf Ausländer und Polizei.

Neonazis und Gewalt gegen Zugewanderte gibt es auch im Westen. Dass es aber so viele Normalbürger nicht stört, ihre Wut an der Seite von Gewalttätern und Nazis auf die Straße zu tragen, nicht. Wer die Wurzeln des Krawalls in Chemnitz ergründen will, muss also weiter blicken als bis zum Sommer 2015. Es ist nicht die erste Chance, über Versäumnisse im Osten zu reden, aber es ist eine. Wer nur Populismuspunkte sammeln will, vergibt sie.

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