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Kommentar Fußball Die Allesfresser

Erst wenn die Zuschauer nicht mehr bereit sind, horrende Summen für Pay-TV zu zahlen, erst dann könnte es wieder mehr Überraschungen im internationalen Fußball geben. Ein Kommentar.

Neue Jagd auf Seriensieger FC Bayern
Die Meisterschale. Seit Jahren fest vergeben. Foto: dpa

Was haben Leicester City, der VfL Wolfsburg und der HSC Montpellier gemeinsam? Die drei Klubs aus England, Deutschland und Frankreich haben es in den vergangenen Jahren jeweils einmal geschafft, in die Phalanx der Großen einzubrechen und die Meisterschaft in ihrem Land gewonnen. Vor allem das Märchen der „Foxes“ 2016 gegen die steinreiche Konkurrenz aus der Premier League sticht heraus.

Doch in den europäischen Topligen, und auch denen dahinter, gibt es meistens nur zwei oder drei Meisterschaftskandidaten. In England sind es dank Investoren und riesiger Fernsehgeldsummen fünf bis sechs Teams, die realistische Chancen auf den Titel haben und der Grund sind, warum die Premier League von allen Ligen am attraktivsten ist.

In denen am Wochenende in Spanien und in Italien startenden Ligen sieht das anders aus. Der FC Barcelona, Real Madrid und Atletico Madrid werden den Titel unter sich ausmachen. In der Serie A führt kein Weg an Juventus vorbei, die Turiner grüßten zuletzt sechsmal nacheinander von der Spitze. In der vergangenen Saison reichten dem SSC Neapel nicht einmal 91! Punkte, um sich den ersten Scudetto seit 1990 zu sichern. Und wer will in Deutschland den Bayern den siebten Gewinn der Meisterschale ernsthaft streitig machen?

Zum einen ist die Dominanz der Topklubs die logische Folge der regelmäßigen Teilnahmen an der Champions League mit den entsprechenden Einnahmen sowie die steigenden TV-Millionen in den heimischen Ligen. Dazu kommen die Scheichs und Investoren, die Klubs wie Paris St. Germain, Manchester City und den FC Liverpool zu Megaklubs katapultieren, die alles drumherum auffressen. Zum anderen haben viele Topklubs wie der AC Mailand oder Inter Mailand mit zahlreichen Fehlentscheidungen und Eigentümerwechseln sich selbst in die zweite internationale Klasse manövriert. Diese haben keine Chance mehr, weil ihre besten Spieler im Alter von 18, 19 Jahren weggekauft werden, wenn sie nicht schon vorher von den Jugendakademien abgeworben wurden.

Die Leicesters, Wolfsburgs und Montpelliers in Europa werden auf Sicht erst einmal kaum eine Chance haben, um nationale Titel mitzuspielen. Von internationalen ganz zu schweigen. Erst wenn die Zuschauer nicht mehr bereit sind, horrende Summen für Pay-TV zu bezahlen und die Zuschauerzahlen in den Stadien sinken, erst dann könnte es wieder mehr Überraschungen im internationalen Fußball geben. Doch diese Entwicklung ist nicht in Sicht. Eher das Gegenteil ist der Fall und irgendwann wird eine europäische Superliga wohl unvermeidbar sein.

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