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Katholikentag AfD geladen, konservative Katholiken nicht

Zum Katholikentag in Münster lädt das Zentralkomitee der deutschen Katholiken den AfD-Politiker Volker Münz, mit konservativen Katholiken will es aber nichts zu tun haben. Ein Kommentar.

Thomas Sternberg
ZdK-Präsident Thomas Sternberg sucht Frieden auf dem Katholikentag. Foto: Katholikentag

Was hat es nur für Wellen geschlagen. Das ZdK hat einen AfD-Politiker zum Katholikentag geladen. Ausgerechnet das ZdK, das nun wirklich nicht im Verdacht steht, gut Freund mit den neuen Rechten im Bundestag zu sein. Nicht umsonst wird das Laiengremium der katholischen Kirche in Deutschland für seine mutigen Reformvorschläge gerade von konservativen Katholiken geradezu verachtet, frei nach dem Motto: „Für mich spricht das ZdK nicht, wenn es den Frauendiakonat, Homo-Segnungen und die Lockerung des Zölibats fordert.“

Auch ihnen hat ZdK-Präsident Thomas Sternberg ordentlich ans Schienbein getreten mit seiner Rechtfertigung, den AfD-Vertreter Volker Münz nur deshalb zur Diskussion geladen zu haben, weil die AfD nun „leider“ auch im Bundestag vertreten ist.

AfD auch für viele Katholiken alternativlos

Ehrlicher wäre es gewesen, offen auszusprechen, dass die AfD auch für viele Katholiken politisch alternativlos ist und schon deshalb einen berechtigten Platz auf dem Katholikentag hat. Ein „Leider“ hätte aus dem Munde eines ZdK-Präsidenten am dringlichsten an dieser Stelle seinen Platz.

Stattdessen klammert der Präsident die rechtsfrömmelnden Katholiken einfach aus. Dabei sind sie es, die der erkennbaren und – zugestanden – hehren Absicht der Katholikentags-Veranstalter, Deutschland einen modernen und zukunftsfähigen Katholizismus zu präsentieren, zum Schaden gereichen – befeuert und bestärkt durch katholische Kräfte wie Wolfgang Ockenfels, Christian Spaemann, Gabriele Kuby oder Birgit Kelle, die ihre Thesen nicht auf dem diesjährigen Katholikentag, dafür in aller Breite auf den Podien des konservativen „Forums Deutscher Katholiken“ verbreiten dürfen.

Alle sie hat das ZdK nicht eingeladen. Mag sein, dass man sich ihrer schämt. Doch sind sie es, die in der breiten Öffentlichkeit als katholisch wahrgenommen werden und weshalb die gleiche breite Öffentlichkeit den Katholizismus im besten Falle nur noch belächelt. Ihnen hätten Einladungen gebührt. Nicht, weil ihre Positionen zukunftsweisend oder gar katholischer Konsens sind. Sondern um ihnen in der breiten Öffentlichkeit zu widersprechen, entsprechen deren rückständige Thesen doch nicht einmal mehr dem Common sense, der an katholischen Fakultäten gelehrt wird.

Stattdessen tun sich nun in Münster Echoräume eines liberalen Katholizismus auf, der – da ist es wieder, dieses „Leider“ – nur die halbe Wirklichkeit der katholischen Welt abbildet. Kontroverse Debatten, die die Lagerbildung abbauen könnten, bleiben dadurch freilich aus. Doch wird der Katholikentag so wenigstens seinem Motto gerecht: „Suche Frieden“. Um nicht zu sagen: Friede, Freude, Eierkuchen.

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