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Katalonien Zeit für Vernunft

Endlich: Im Streit um Katalonien haben sowohl Barcelona als auch Madrid eine weitere Eskalation vorerst vermieden. Jetzt müssen sie lernen: Es geht nicht um Gut und Böse.

Mariano Rajoy
Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy (Mitte) spricht im spanischen Parlament. Rajoy sagte, er lehne die Vermittlungsangebote in der Katalonien-Krise ab und fordere die Einhaltung der spanischen Gesetze. Foto: dpa

Ein Hauch von Vernunft weht durch Spanien. Sowohl in Madrid als auch in Barcelona haben sich die führenden Politiker für den Moment auf das wichtigste Kapital besonnen, das sie im Streit um Kataloniens Unabhängigkeit noch haben: Zeit.

Erst hat der Katalane Puigdemont den Fehler vermieden, die rechtlich wie politisch fragwürdige Unabhängigkeitserklärung mit sofortiger Wirkung abzugeben. Dann hat der spanische Zentralist Rajoy den Fehler vermieden, den spanischen Staat in die aufsässige Provinz administrativ „einmarschieren“ zu lassen. Jetzt fragt sich, ob beide Seiten die Zeit zu nutzen wissen.

Das würde zunächst bedeuten, von der kindischen Sichtweise herunterzukommen, dass Gut und Böse klar zu unterscheiden seien. Von Barcelona aus wäre anzuerkennen, dass eine reformierte Form der Autonomie innerhalb Spaniens dem Volkswillen am ehesten entspräche. Madrid aber müsste verstehen, dass die Motive vieler Katalanen nicht einfach nationalistisch sind, sondern mit realen historischen, politischen und sozialen Demütigungen zusammenhängen.

Eine Menge Zeit wäre dafür nötig. Und erst recht etwas anderes, das schon fast verloren schien: politische Vernunft. Nicht nur ein Hauch.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Spanien

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