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Katalonien Arm in Arm in die Staatskrise

So blind wie die katalanischen Separatisten in die Zukunft tappen, so blind reagiert die spanische Regierung auf die Herausforderung. Ein Kommentar.

Puigdemont
Carles Puigdemont bei einer Pressekonferenz am Montag. Foto: afp

Spanien ist an diesem Montag wie der Patient erwacht, den seit Jahren ein leichter Husten plagt und der von seinem Arzt nun die Diagnose erhält, dass er unter Lungenkrebs leidet. Dass es in Katalonien eine starke Unabhängigkeitsbewegung gibt, wussten alle. Dass sich die Separatisten allerdings so mächtig fühlen würden, dass sie für die kommenden Tage eine einseitige Unabhängigkeitserklärung ankündigen, lag zwar im Bereich des Denkbaren, aber nicht des Wahrscheinlichen. Nun ist es so weit.

Carles Puigdemont, der katalanische Regionalpräsident, überschätzt seine Macht. Er glaubt oder will glauben, dass der Rest Europas und der ganzen Welt einen neuen katalanischen Staat mit offenen Armen in ihrer Gemeinschaft aufnehmen würde. Dafür gibt es wenig Anhaltspunkte. Die Europäische Union ist schon genug mit dem Brexit geschlagen, um nun auch noch mit zustimmendem Nicken der Zerschlagung eines ihrer Mitgliedsstaaten zuzusehen.

Doch so blind wie die katalanischen Separatisten in die Zukunft tappen, so blind reagiert die spanische Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy auf die Herausforderung. Rajoy glaubt oder will glauben, dass an diesem Sonntag weder ein Referendum stattgefunden hat noch dass die spanische Polizei dagegen mit unverhältnismäßiger Härte einschritt. Ihm ist egal, dass er dem katalanischen Opferdiskurs ein weiteres Kapitel hinzugefügt hat.

Arm in Arm und doppelt blind treiben Puigdemont und Rajoy  ihr Land – Spanien, Katalonien – in eine Staatskrise, aus der es lange nicht heraus finden wird.

 

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