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Islam in Deutschland Alle oder keiner

Entweder gehören alle Religionen zu Deutschland oder gar keine. Das nennt man Säkularisierung und die genießt in Deutschland den Schutz des Grundgesetzes. Das weiß Horst Seehofer, aber darum es geht ihm gar nicht. Ein Kommentar.

Horst Seehofer
Horst Seehofer auf dem Weg von Bayern nach Berlin. Foto: afp

Für Horst Seehofer ist die Sache klar: Der Islam gehört nicht zu Deutschland, hierher gehört das Christentum, und sonst nicht viel. Die „Bild“-Zeitung hat ihn gefragt, wie er es halte, mit dem legendären Satz von Christian Wulff, und man hat sich ganz bestimmt gefreut, als der Innenminister über das Stöckchen sprang, das ihm das Springerblatt hingehalten hat.

Weil der neue Heimatbeauftragte der Bundesregierung den fast sechs Millionen Muslimen, die in Deutschland leben, teils Wahlrecht genießen, Steuern zahlen, Fußball spielen, weil er diesen knapp sieben Prozent der hiesigen Bevölkerung die Heimat nicht so ganz entziehen will, versucht der Scharfmacher vom Dienst zu entschärfen: Die Muslime, die hier leben, die gehören zu Deutschland, nur der Islam eben nicht. Wie die sprachliche Akrobatik dieser Unterscheidung zu verstehen sein soll, das weiß außer Seehofer wohl nur die AfD.

Mayzek übt Kritik

Doch mit seinem islamfeindlichen Kurs steht Seehofer in der Bundesregierung nicht im Abseits. Bereits vor Wochen hatte Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, Kritik am Koalitionsvertrag geäußert. Der Islam wird dort sieben Mal genannt - ausschließlich im negativen Kontext von Terrorismus, Radikalismus und Extremismus. Die „Muslime“ schaffen es einmal in das 175 Seiten starke Papier. Man wolle ihre Integration fördern. Immerhin.

Bei der CDU ist man der Meinung, der Islam solle sich erstmal in die Gesellschaft einbringen, bevor er dazu gehört. Das impliziert, dass christliche Religionsgemeinschaften genau das tun. Sie übernehmen z.B. Krankenhäuser, die von den Kommunen aus finanzieller Not nicht mehr betrieben werden können. Das kann die Kirche, weil sie ihren Angestellten weniger zahlt und ihnen gleich noch das Streikrecht entzieht. Atheisten stellen sie nicht ein, egal was die EU-Menschenrechtskonvention dazu sagt.

Dafür treibt der Staat die Kirchensteuer ein und packt auf jeden Euro noch ordentlich was drauf. Von Reparationszahlungen ganz zu schweigen, die sich auf über 400 Millionen Euro im Jahr belaufen, weil der Staat vor 200 Jahren den Kirchen Land abgenommen hat, das ihnen sowieso niemals gehört hatte.

Es gibt keine jüdisch-christliche Tradition

Sicher gibt es viele kirchliche Einrichtungen, die Menschen helfen. Palliativmedizin, Seelsorge, und die Beichte, also einfach nur zuhören. Aber warum sollten islamische wie jüdische Träger das nicht auch leisten können, wenn man sie lässt und dabei finanziell unterstützt, wie der Staat es bei christlichen Einrichtungen macht?

Die jüdisch-christliche Tradition und Kultur wird als anderes großes Argument für die Sonderstellung christlicher Kirchen angeführt. Denn aus ihr habe sich Aufklärung, Demokratie und Rechtsstaat entwickelt. Das stimmt auch, die bürgerliche Ordnung ist auf die ständische gefolgt, in der die Geburt die Rolle determinierte, gerechtfertigt mit Gottes Willen.

Dagegen lässt sich schlecht etwas sagen, bis auf den Denkfehler, dass es eine jüdisch-christliche Tradition gar nicht gibt, außer man sieht es als Tradition an, dass Christen Juden mit Berufsverboten belegen und alle paar Jahrzehnte mit Progromen drangsalierten, mal heftiger, mal weniger heftig.

Die Aufklärung hat sich auch nicht aus der Kirche entwickelt, sondern gegen sie. Gottes Wille, den die Kirche übersetzte, sollte nicht länger über das Schicksal entscheiden. Man wollte keine Könige mehr, die von Päpsten gekrönt wurden, und man wollte ihnen auch nicht mehr zugestehen, dass sie sich riesige Ländereien unter den Nagel reißen, ohne eine Armee zu haben, um diesen Anspruch mit Gewalt gegen andere zu verteidigen, was letztendlich der Grund war, warum man es den Adligen überhaupt hat durchgehen lassen.

Aber all das interessiert Seehofer gar nicht. Es geht um die offene rechte Flanke, die so schnell wie möglich geschlossen werden muss. Und zwar vor der Landtagswahl in Bayern. Das schuldet er den Spezis daheim, die Angst davor haben, von der AfD abgehängt zu werden. Die CSU legt in Umfragen übrigens wieder zu. Aber wenn die Leute lieber beim Original bleiben, dann hat Seehofer seiner Partei einen Bärendienst erwiesen.

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