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Horst Seehofer Zeit zu gehen

Horst Seehofer kündigt seinen Rücktritt als CSU-Chef an. Er geht als tragische Gestalt. Ein Kommentar.

Seehofer
Seehofer will als CSU-Vorsitzender zurücktreten und auch sein Amt als Bundesinnenminister vorzeitig abgeben, jedenfalls vor Ende der laufenden Legislaturperiode. Foto: afp

Nun hat also Horst Seehofer seinen Rücktritt angekündigt. Ob er wirklich geht, ist damit allerdings noch nicht gesagt. Zu oft schon hat Seehofer diesen Schritt angekündigt, zu oft schon wäre es an der Zeit gewesen. Zu oft ist es dann letztlich doch wieder anders gekommen.

Überraschend wäre also dieses Mal daher vor allem der Vollzug der Ankündigung. Dass Seehofer seinen Parteivorsitz niederlegt, ist ein logischer, ein unvermeidlicher Schritt.

Schon lange wirkte es so, als sei die einzige Triebfeder des CSU-Chefs nur noch eine persönliche Abrechnung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Eine Weile hat er damit Teile der CSU noch begeistern können.

Die erneute Zuspitzung im Flüchtlingsstreit im Sommer, in dem der Bruch mit der Schwesterpartei CDU kurz bevorstand, war allerdings auch in der eigenen Partei kaum noch zu vermitteln.

Und im Hin und Her um Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen wirkte Seehofer als habe er nach der Kontrolle über sich auch die über sein Amt verloren.

Der Zeitpunkt nach der Kabinettsbildung in dieser Woche ist der letztmögliche, an dem Seehofer zumindest noch versuchen kann, es so aussehen zu lassen, als ginge er von alleine.

 

Aber er geht als tragische Gestalt: Räumt er nicht von alleine das Feld, wird Markus Söder, der ihm schon das Ministerpräsidentenamt genommen hat, ihn auch als Parteichef zur Seite schieben. Truppen, die ihn schützen, hat Seehofer nicht mehr. Längst schon hat die Partei ihm das Vertrauen entzogen.

Der Rückzug als Minister ist dann aus Seehofers Sicht nur eine logische Folge: Ohne den Zweitjob als CSU-Chef fehlt ihm eine Machtkomponente. Ein Minister unter vielen aber will Seehofer sicher nicht sein.

Für die Koalition in Berlin fällt mit der Person Seehofer ein ständiger Konfliktpunkt weg. Ob er durch einen neuen ersetzt wird, ist noch unklar. Der mutmaßliche neue CSU-Chef Söder wird sich auch profilieren wollen.

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