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Hohenschönhausen Relativieren schadet

Die Gedenkstätte hat angesichts der Debatte um ihre mutmaßliche AfD-Nähe zum zweiten Mal Konsequenzen gezogen. Dies war unausweichlich. Ein Kommentar.

Berlin Lichtenberg
Im Fokus: Der frühere Stasiknast Hohenschönhausen. Foto: Imago

Die Gedenkstätte Hohenschönhausen hat zum zweiten Mal die Reißleine gezogen – zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen. Zunächst setzte Direktor Hubertus Knabe die Zusammenarbeit mit dem einstigen politischen Gefangenen Siegmar Faust aus.

Dieser hatte aus seiner Sympathie für die AfD keinen Hehl gemacht und überdies um Milde für den Holocaust-Leugner Horst Mahler geworben – auf eigenen Vorschlag hin in einem früheren Vernehmungszimmer der Stasi und ohne sich dieses Widerspruchs bewusst zu werden. 
Nun folgte die Aussetzung der Zusammenarbeit mit dem Förderverein, dessen Vorsitzender Jörg Kürschner in der rechtslastigen „Jungen Freiheit“ ein ums andere Mal für die AfD wirbt. Beide Schritte sind unausweichlich.

Wer für sich in Anspruch nimmt, die SED-Diktatur aufarbeiten zu wollen, der kann nicht gleichzeitig die unvergleichlich schlimmere NS-Diktatur relativieren – oder den Relativierern die Hand reichen. Tut er es doch, vergeht er sich an der Geschichte und an ihren Opfern. Zählt er wie Faust zu den Opfern, vergeht er sich an sich selbst.

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