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Großbritannien Die Briten und das liebe Geld

Dass der Brexit für alle Beteiligten teuer wird, verschweigt die Londoner Regierung ihren Bürgern. Ein Kommentar.

Großbritannien
Brüssel verlangt von London die Tilgung von bereits beschlossenen Strukturfonds. Foto: epa

„Was kostet das?“ Mit dieser Frage haben die Briten Jahrzehnte lang die Partner vom Kontinent genervt, aber auch auf den Boden der Realität zurückgeholt. Wann immer die von der europäischen Idee beseelten Idealisten teure Programme vorschlugen, stets verwiesen die nüchternen Krämerseelen von der Insel auf die Kosten. Premierministerin Margaret Thatcher („Ich will mein Geld zurück“) legte die Gemeinschaft sogar so lange lahm, bis sie den berüchtigten Briten-Rabatt ausgehandelt hatte.

Nun haben die Briten ihren Austritt aus dem Club beschlossen - und plötzlich ist vom Geld nicht mehr die Rede. In ihrer 40 Minuten währenden Rede im Lancaster House widmete Premier Theresa May künftigen Beiträgen „zu einigen europäischen Programmen“ genau einen Absatz. Wann immer die Regierungschefin oder ihre Minister auf die Brexit-Kosten angesprochen werden, haben sie außer alberner Rhetorik nichts zu bieten.

Plötzlich sind es die Brüsseler, die zu rechnen verstehen. Weit über den im März 2019 anstehenden Brexit hinaus müsse die Insel Beiträge leisten, heißt es dort: für längst beschlossene, aber bisher nicht bezahlte Strukturfonds, mit denen neue Straßen und Bahnstrecken finanziert werden; für die Pensionen von EU-Beamten, darunter auch viele Briten; für die Tilgung langfristiger gemeinsamer Schulden. Die Rede ist von Summen zwischen 30 und 57 Mrd Euro.

Unterm Strich mag der Betrag am Ende geringer sein, das werden die Verhandlungen zeigen. Eine teure Angelegenheit wird der Austritt für die Briten und den Rest Europas aber auf jeden Fall, jenseits aller nachteiliger Folgen für die beteiligten Volkswirtschaften. Dass May und ihre Minister dies dem Wahlvolk nicht sagen, wohl aus Angst vor den fanatischen EU-Feinden in den Medien, ist eine sträfliche Unterlassung.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Brexit

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