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Götz Kubitschek Die neue Rechte und ihre Co-Narzissten

Konservative Medien sind fasziniert vom rechtsextremen „Vordenker“ Götz Kubitschek. Und lassen sich von ihm einspannen.

Götz Kubitschek
Götz Kubitschek, bislang Verleger des rechten Antaios Verlages. Foto: dpa

Natürlich war es ein Coup. Eine geradezu „geniale Eulenspiegelei“, mit der die „Leitmedien am Nasenring über die Buchmesse“ geführt wurden, wie ein Kolumnist des nationalkonservativen Magazins „Tichys Einblick“ festhält. Eine Aktion, die ihre Initiatoren, den rechtsradikalen Verleger Götz Kubitschek und seine Entourage aus dem Antaios-Verlag, zu nicht weniger als „heißen Anwärtern auf den Nobelpreis für Pfiffigkeit“ macht, so das Hetz-Portal Jouwatch.

Die rechte Publizistik überschlägt sich mit Lobpreisungen für den „schwarzen Ritter“ aus Schnellroda, dem es gelungen ist, seinem Verlag unter falschem Namen einen Stand abseits des für rechte Verlage reservierten Katzentisches auf der weltgrößten Bücherschau zu sichern. 

Hinterhältige PR-Aktion geht auf 

Was war passiert? Kurz vor der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse lancierte Götz Kubitschek über die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und „Die Welt“ die Nachricht, er habe seinen Verlag verkauft, um sich künftig als politischer Berater zu verdingen. Ein echter Scoop, den sich die Kollegen verständlicherweise nicht entgehen lassen wollten – und dabei sämtliche gebotene Skepsis gegenüber einem Mann vermissen ließen, dessen politisches Wirken immer an die Inszenierung der eigenen Person gekoppelt ist.  

Andere vermuteten nach Bekanntwerden der Nachricht, dass es sich um den PR-Stunt handelte, als der sich der Verkauf von Antaios schließlich auch herausstellte. Der erst im Sommer „gegründete“ Loci-Verlag, der Antaios angeblich übernehmen sollte, diente lediglich dazu, sich einen Stand im Messegetümmel abseits des rechten Katzentischs zu sichern.

Kubitschek hat öffentlich gelogen

Die „geniale Eulenspiegelei“ des Herrn Kubitschek bestand also darin, öffentlich gelogen zu haben. Dass die rechte Publizistik das „pfiffig“ finden würde, war absehbar. Kubitschek selbst hatte ja bereits auf seinem Blog angekündigt, sich „etwas Pfiffiges“ für Frankfurt einfallen zu lassen. Und wenn Kubitschek sagt, dass es „pfiffig“ ist, dann ist es eben „pfiffig“.

Wer sich länger mit Kubitschek befasst hat, kann schwerlich übersehen, dass der in den Raum des (vermeintlich) Politischen extrapolierte eigene Narzissmus Kern und Angelpunkt seines Denkens ist. Kubitschek allerdings ist zugleich ein durchaus geschickter Netzwerker, der sich mit zahlreichen Co-Narzissten umgibt, die ihm als Vordenker oder Mentor huldigen. 

Früher ein eher überschaubares Häufchen von Aktivisten aus dem Umfeld des von ihm mitgegründeten Instituts für Staatspolitik (IfS) und der erfolglosen Konservativen Subversiven Aktion (KSA), heute eine ganze Reihe rechter Schreiber, die ihn in ihren Publikationen bejubeln. 

Mediale Selbstinszenierung eines Rechten  

Dass ihm der rechte Rand jede Inszenierung abkauft, ist wenig verwunderlich. Irritierender ist da schon der Umgang seriöser konservativer Medien mit Kubitschek, aus der eine dunkle Faszination für diesen selbst deklarierten Intellektuellen spricht. Kaum eine größere deutschsprachige Zeitung hat es sich nehmen lassen, Reporter nach Schnellroda zu schicken, um Kubitschek zu porträtieren. Die Eindrücke sind immer dieselben: Kubitschek als sich selbst und seine Familie kasteiender Buchmensch, der Ziegen hält und seine Frau siezt.

Auf die Idee, dass sie Teil der medialen Selbstinszenierung des neurechten Vordenkers sein könnten, kommen die Reporter selten. Einer der wenigen, dem es ansatzweise gelungen ist, eine kritische „Homestory“ aus Schnellroda zu liefern, war ausgerechnet jener FAZ-Kollege, dem Kubitschek nun die Fake News über den Verkauf seines Verlages unterjubelte. Dass dabei auch die gekränkte Eitelkeit des neurechten Narziss eine Rolle spielte, liegt nahe. 

Warum nicht etwas mehr kritische Distanz? 

Man weiß nicht so recht, was konservative Medien an diesem Mann finden, dem sie zweiseitige Reportagen und Wortlautinterviews widmen. Vielleicht erhofft man sich von der Koketterie mit dem sich selbst als Bad Boy gerierenden Kubitschek eine Art Hipsterisierung des eigenen Konservatismus, dem immer noch der Ruch einer grundsätzlichen Bräsigkeit anhaftet. Dass die Denkschule dieses Mannes dabei ganz eindeutig in der Tradition des Faschismus steht, war bislang jedenfalls kein Hindernis. Vielleicht löst die Erfahrung der diesjährigen Buchmesse ja zumindest eine Art Lerneffekt aus.

Einstweilen bleibt nur die große „Eulenspiegelei“ des Götz Kubitschek. Ein Blick in die Geschichten des alten Till offenbart, wie passend diese Beschreibung doch ist. Schließlich bestand ein Großteil seiner Streiche darin, an allerlei unpassenden Orten seine Notdurft zu verrichten, um sich dann schelmisch kichernd aus dem Staub zu machen. Vermutlich findet die Anhängerschaft der Neuen Rechten das „pfiffig“. Dass sie auch humortechnisch irgendwo zwischen Spätmittelalter und früher Neuzeit festhängt, verwundert wenig.

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