Lade Inhalte...

Geste der Ultranationalisten Plötzliche Empörung über faschistischen Wolfsgruß

Seit Jahren verwenden türkische Rechtsextreme ganz öffentlich die Geste als Erkennungszeichen - und bislang haben sich nur wenige daran gestört. Doch jetzt ist Empörung en vogue. Ein Kommentar.

Wolfsgruß
Eindeutige Geste: Der sogenannte Wolfsgruß ist das Erkennungszeichen der türkischen Ultranationalisten. Foto: imago

Seit Jahren ist die Geste bekannt: Mit dem sogenannten Wolfsgruß signalisieren türkische Nationalisten ihre extremistische Gesinnung. Besonders die Grauen Wölfe verwenden den Gruß als Erkennungszeichen. Demonstrativ hielt der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu bei seinem Auftritt im vergangenen Jahr in Hamburg die faschistische Geste in die Kameras. Daran hat sich bislang kaum ein deutscher Politiker gestört. Wenn es Proteste von kurdischer Seite gegen diesen Gruß der Faschisten gab, wurden sie meistens nur als Teil eines innertürkischen Konflikts abgetan und beiseitegeschoben.

Mittlerweile hat sich das Verhältnis zur Türkei von Recep Tayyip Erdogan verändert. Der Staatspräsident wurde bei seinem Deutschland-Besuch Ende September auffallend kühl empfangen.  Kritik an seiner restriktiven Politik ist – spätestens seit der Verhaftung des deutschen Journalisten Deniz Yücel – wieder legitim. Und plötzlich stören sich auch Politiker der CDU an den türkischen Ultranationalisten. "Jede Form des Faschismus ist menschenverachtend und eine Bedrohung für unsere freiheitliche Gesellschaft", sagte CDU-Innenpolitiker Christoph de Vries zur Bild-Zeitung und fordert ein Verbot der Grauen Wölfe, ihrer Symbole und Gesten.   

„Der Gruß der Grauen Wölfe, einer der größten rechtsextremistischen und verfassungsfeindlichen Organisationen in Deutschland, ist mit dem Hitler-Gruß vergleichbar“, erklärt Sevim Dagdelen, die Vize-Fraktionschefin der Linken im Bundestag. Auch ihre Partei macht sich für ein Verbot stark.   

Der Welt einen türkisch-islamischen Stempel aufdrücken

Bei der Geste werden Zeigefinger und kleiner Finger abgespreizt und bilden die imaginären Ohren, die übrigen Finger der Hand werden gekrümmt und sollen die Schnauze eines Wolfs darstellen. Der rechtsextreme türkische Politiker Alparslan Türkes hat die Bedeutung des Wolfsgrußes wie folgt erklärt: „Schau her, der kleine Finger symbolisiert den Türken, der Zeigefinger den Islam. Der beim Wolfsgruß entstehende Ring symbolisiert die Welt. Der Punkt, an dem sich die restlichen drei Finger verbinden ist ein Stempel. Das bedeutet: Wir werden den Türkisch-Islamischen Stempel der Welt aufdrücken.“    

Einen türkisch-islamischen Stempel wollen sich Unions-Politiker natürlich nicht aufdrücken lassen. Und wagen eine Kritik am Erkennungszeichen der türkischen Rechten. Endlich. Aber warum nicht schon früher? Die Grauen Wölfe etwa bekämpfen die kurdische Arbeiterpartei PKK, wo immer es geht. Alle Kurden seien demnach „Terroristen“, die eine „Gefahr“ für die Türkei darstellen. Als Feindbilder gelten in der Logik der türkischen Extremisten „natürlich“ auch Juden, Christen, Armenier, Griechen, Kommunisten, Freimaurer, Israel bzw. „Zionisten“, die EU, der Vatikan und die Vereinigten Staaten

Empörung erst nach Stimmungsumschwung 

Verachtung und Terror für alle, die den Ultranationalisten nicht passen: Bislang hat sich in Deutschland - außer dem Verfassungsschutz und kurdischen Organisationen – fast keiner daran gestört. Jetzt hat sich die Stimmung geändert, Empörung ist angesagt. Hoffentlich bleibt die Kritik an der türkischen Rechten auch bestehen, wenn sich das Verhältnis zu Ankara wieder verbessern sollte.  

Übrigens: Vielen Kindern wird das umstrittene Handzeichen in deutschen Schulen beigebracht. Steigt der Lärmpegel in der Klasse an, soll dadurch der Wunsch nach mehr Ruhe angezeigt werden. Die Lehrer nennen die Fingerhaltung den Leisefuchs. Wie der Faschisten-Gruß dann zu Hause beispielsweise in kurdischen Familien ankommen mag, kann man sich vorstellen.  

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen