Lade Inhalte...

Fahrverbote Diesel-Pkw: Mit Vollgas vor die Wand gekracht

Das war's dann wohl: Auch Berlin muss Fahrverbote verhängen. Das Gerichtsurteil dürfte das Ende für Diesel-Pkw bedeuten. Ein Kommentar.

Abgase eines Pkw
Zu viele Schadstoffe in den Abgasen: Fahrverbote bedeuten wohl das Ende des Diesel-Pkw. Foto: dpa

Wissen Sie, wo sich in Berlin die Leipziger Straße befindet? Oder die Brückenstraße? Genaue Straßenkenntnisse sind künftig erforderlich, wenn Sie als Dieselbesitzer in Berlin unterwegs sein wollen. Elf Straßenabschnitte in der Innenstadt müssen für Fahrzeuge der Abgasnormen Euro 1 bis Euro 5 ab dem 1. April 2019 gesperrt werden, hat das Verwaltungsgericht Berlin entschieden. Und dazu gehören nicht etwa nur kleine, unbedeutende Nebengässchen, sondern auch die wichtigsten Verkehrsachsen der Hauptstadt – eben wie die Leipziger-, die Brücken- oder die Friedrichstraße.  200.000 Berliner müssen sich Schleichwege suchen, viele gelegentliche Besucher jedoch werden wohl verzweifeln.  

Also schnell den alten Diesel nachrüsten – und weiter geht’s? So einfach wird es wohl nicht: Der Berliner Senat prüft derzeit, ob auch Diesel-Autos mit den Abgasnormen Euro 6a, 6b und 6c von den Fahrverboten betroffen sein sollen. „Auch Euro-6-Diesel sind ja bekanntermaßen nicht sauber“, sagte ein Senatssprecher. Das bedeutet: Selbst eine Nachrüstung per Katalysator von Euro 5 auf Euro 6 bringt keine Sicherheit. 

Ein Flickenteppich aus Verbotszonen 

Dann eben nicht nach Berlin, mag sich mancher Diesel-Fahrer vielleicht denken. Und nicht nach Hamburg, Stuttgart und Aachen. Um München einen Bogen machen. In Köln, Düsseldorf, Dortmund, Gelsenkirchen, Essen, Bonn wird demnächst entschieden – vermutlich muss der Diesel auch dort draußen bleiben. Also auch keine Fahrten mehr ins Ruhrgebiet. Bleiben wir also in Hessen. Nur: was wird aus Frankfurt, Wiesbaden, Mainz, Darmstadt und Limburg? Ministerpräsident Volker Bouffier versichert: „Wir werden in Frankfurt kein Fahrverbot bekommen!“ Klar, der Mann ist im Wahlkampf. Aber welche Alternative bliebe denn, wenn die Deutsche Umwelthilfe auf Sofortvollzug klagen würde?

In den nächsten zwei bis drei Jahren müssen „in mindestens 60 deutschen Städten Fahrverbote erlassen werden“, sagt Jens Hilgenberg, Verkehrsexperte vom Bund Umwelt und Naturschutz. Auf der aktuellen Liste des Umweltbundesamtes sind sogar 65 Städte verzeichnet.  Derzeit versucht die Bundesregierung, die Grenzwertüberschreitungen auf dem Papier weg zu definieren: Auch wenn in 65 Städten die Grenzwerte überschritten werden – in lediglich 14 Städten werden sie richtig krass überschritten. Ein krumme Argumentation, der Gerichte bislang nicht gefolgt sind.  

Der Diesel ist vor die Wand gekracht  

Also: Welcher Autofahrer nimmt in Kauf, aus vielen deutschen Städten ausgeschlossen zu werden, wenn er mit seinem Diesel unterwegs ist? Wer vertraut noch den Aussagen der Automobil-Industrie – nach dem jahrelangen perfiden Betrug bei den Abgasen? Der Diesel – eigentlich eine Technologie, die den Kraftstoff-Verbrauch massiv senken kann – ist mit Vollgas vor die Wand gekracht.    

Die Grenzwerte für Stickoxide in der Stadtluft gelten seit 2010. Jahrelang wurde konsequent weggeschaut. Verkehrsminister Andreas Scheuer und sein Vorgänger Alexander Dobrindt (beide CSU) haben die Auto-Industrie bislang immer nur geschont: Keine Strafe für Volkswagen, keine Beteiligung der Hersteller an den Kosten für eine Hardware-Nachrüstung, keine nennenswerten, attraktiven Rabatte beim Abstoßen eines alten Diesel-Pkw. Und vor allem: Keinerlei Druck, die Motoren tatsächlich so sauber zu machen, wie sie auf dem Papier eigentlich sein sollten. Mit dem derzeitigen Vertrauensverlust ist der Diesel wohl gestorben.  

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen