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Die Grünen Schmerzhafte Aufklärung

Die Grünen werden damit leben müssen, dass sie immer wieder mit ihrer personell dubiosen und ideologisch fragwürdigen Gründungsphase konfrontiert zu werden. Umso verdienstvoller ist es, dass sie dies in Form einer wissenschaftlichen Aufklärung tun.

Die Pädophilengruppe Indianerkommune besetzt 1980 beim Grünen-Parteitag das Präsidium. Foto: Imago

Die hohe Zahl nährt den Skandal. Laut eines Berichts der Berliner Grünen soll es im Umfeld der Alternativen Liste, der Berliner Vorläuferorganisation der Partei, in den 80er und 90er Jahren viele Fälle von sexuellem Missbrauch gegeben haben. Die Grünen, so scheint es, werden trotz aller Aufklärungsversuche ihre schmuddelige Vergangenheit nicht los. Aber schmuddelig ist schon das falsche Wort, weil es die dringend gebotene Nennung von Namen, Zahlen und Fakten seltsam verdruckst kaschiert. Und ist es längst eine unbefriedigende Begleiterscheinung der in immer neuen Auflagen wiederkehrenden Pädophilie-Debatte, dass Aufklärung und Skandalisierungsfuror sich nahezu untrennbar miteinander verquicken.

Die Zahl der mutmaßlichen Opfer ist erschreckend, aber sie kann nicht verwundern. Sie verweist vielmehr auf ein dunkles Kapitel der bundesrepublikanischen Kulturgeschichte, in dem kriminelles sexuelles Verhalten gegenüber Kindern unter dem Deckmantel politischer Emanzipation gehalten oder gar als Ausdruck sexueller Befreiung propagiert wurde. Was heute unschwer als strafrechtlich relevantes Verhalten zu bewerten ist, kam damals im Namen einer politischen Bewegung daher, die danach trachtete, das Recht auf pädophile Neigungen vor allem auch juristisch durchzusetzen. Insbesondere eine sich in den 70er Jahren neu konstituierende Sexualwissenschaft hat aber unmissverständlich klargemacht, dass es keinen Freiraum für sexuelle Beziehungen zwischen Kindern und Erwachsenen geben kann.

Gruppen und Propagandisten dieser Bewegung gab es dennoch zuhauf in nahezu allen großen und mittleren Städten der Republik. Ihre Hauptstadt aber war Berlin. Die gerade entstehenden Parteivarianten der Grünen waren ausdrücklich gesuchte politische Transmissionsriemen dieser Szene.
Der Verweis auf den historischen Kontext der zum Teil erschütternden Fallgeschichten geriet wiederholt in den Verdacht, selbst Teil eines Abwiegelungsversuchs zu sein, um eine Diskussion über die politische Verantwortung für die vielen Missbrauchsfälle gar nicht erst aufkommen zu lassen. Ganz unbegründet war das nicht. Für die Grünen kamen die Zwischenergebnisse einer an den Göttinger Politologen Franz Walter vergebenen Studie zur Aufarbeitung der Vorwürfe im zurückliegenden Bundestagswahlkampf denn auch mehr als ungelegen.

Die Grünen müssen seither damit leben, immer wieder mit ihrer personell dubiosen und ideologisch fragwürdigen Gründungsphase konfrontiert zu werden. Umso verdienstvoller ist es, dass sie dies in Form einer satisfaktionsfähigen wissenschaftlichen Aufklärung tun, in deren Folge nun auch die aktuellen Berliner Fälle ans Licht gekommen sind. Die Gründungsphase jener politischen Formationen, aus denen die Grünen hervorgegangen sind, mag von vielen skandalösen, und wohl auch kriminellen, Verstrickungen durchzogen sein. Zur anhaltenden Skandalisierung der moralischen Verfasstheit der Partei taugt sie deswegen noch nicht.

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