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Deutschland Flüchtige Zufriedenheit

Bundesbürger fühlen sich laut einer Studie so wohl wie lange nicht. Ein Kommentar.

Reichstag
Im Augenblick sind die Deutschen zufrieden - aber wie lange noch? Foto: imago

Zufriedenheit als politische Größe ist eine Zicke. Eine Umfrage des Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt, dass die Bundesbürger zufrieden sind wie nie seit der Vereinigung. Nachdem Deutschland zum beliebtesten Land der Welt avancierte, kippt so die zweite Gewissheit: Wir sind angesehen und keine Nörgler mehr. Das Glück ist schnell erklärt: mit der exorbitant guten Wirtschaftslage, gerade im Vergleich zu Krieg und Chaos in anderen Regionen. Doch was folgt daraus, politisch? Für die vier anstehenden Land- und Bundestagswahlen?

Weiche Faktoren wie solche Zufriedenheitsgefühle gelten als wahlentscheidend: Gute Stimmung, wenig Wechselwille, war bislang die Rechnung. Andererseits leben wir in postfaktischen Zeiten. Stimmungen sind unberechenbar geworden. In den Niederlanden wurde auch deshalb der Sieg der Populisten gefürchtet, weil viele Wähler angaben: „Mir geht es gut, aber das Land macht mir Sorgen.“

Ohnehin ist Zufriedenheit relativ, wie die bestehende Ost-West-Lücke zeigt: Im Westen denkt man, im Vergleich zur DDR müsse der Ossi zufrieden sein. Im Osten vergleicht man sich mit dem Heute – im Westdurchschnitt. Das gilt analog für andere Bereiche, und darin steckt die politische Botschaft der Studie: Dem Satz „Mir geht es gut, aber Deutschland ist ungerecht“ stimmen zwei Drittel der Deutschen zu.

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