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Desiderius-Erasmus-Stiftung Die „skandalösen“ Katholiken der AfD-nahen Stiftung

Der Präsident des Zentralkomitee der Katholiken (ZdK) hat kein Verständnis dafür, wie ein Pater im Kuratorium der AfD-nahen Stiftung sein kann. Dieser erwidert scharf – im Schatten eines Dritten. Ein Kommentar.

Wolfgang Ockenfels
Dominikanerpater Wolfgang Ockenfels. Foto: Imago

Endlich hat es mal einer gesagt. Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitee der Katholiken (ZdK), hat den jüngsten Fokus der Medien auf die Desiderius-Erasmus-Stiftung genutzt, um Tacheles zu reden. Dafür musste die Stiftung mit der Frankfurter Ex-CDUlerin Erika Steinbach allerdings erst offiziell zur AfD-nahen Stiftung erkoren werden, wie Anfang des Monats auf dem Parteitag der Rechtspopulisten geschehen.

Der Dominikanerpater Wolfgang Ockenfels saß jedoch schon vorher im Kuratorium der Desiderius-Erasmus-Stiftung. „Skandalös“ sei das – eine Erkenntnis, die Sternberg nun Anfang der Woche kam. Auf Twitter stellt er dann auch ganz fassungslos die Frage: „Wie kann ein Dominikanerpater und früherer Berater der CDU sich dazu hergeben, sich im Kontext einer rechtsradikalen Partei zu engagieren?“

Ockenfels kann. Aus Überzeugung. Blickt man auf die „Verdienste“, womit der Dominikaner nach seiner im Jahr 2015 erfolgten Emeritierung als Professor für christliche Sozialethik an der Universität Trier hervorsticht, ist das auch keine Überraschung. In Bonn hält er als Vorsitzender das Institut für Gesellschaftswissenschaften Walberberg am Leben, eine Trotzburg konservativ-katholischer Prägung, die mangels Sympathisanten allerdings einem absehbaren Untergang geweiht ist, wie aus Ordenskreisen zu vernehmen ist. Der 71-jährige Pater lässt sich aber nicht beirren und gibt dort die ebenso konservativen Geist atmende Zweitmonatszeitschrift „Die Neue Ordnung“ heraus.

Darin war schon in der April-Ausgabe 2017 zu lesen: „Gemessen an ihrem Grundsatzprogramm und vor dem Hintergrund aktueller Probleme ist die ,Alternative für Deutschland‘ (AfD) für überzeugte evangelische und katholische Christen eine durchaus sozialethisch mögliche Wahloption, auch wenn das kaum jemand zu äußern wagt."

Kath.net: Plattform für Ockenfels

Ockenfels wagt es. Eine Plattform bietet ihm das rechts-konservative, private Nachrichtenportal kath.net. Dort lässt er verlauten, es sei „nicht unchristlich, dieser Partei anzugehören oder sie zu wählen“; oder sich gar für sie starkzumachen, wie man ergänzen darf. Immerhin sprach Ockenfels schon im März 2017 auf einem „Extremismuskongress“ der AfD – und zwar gekonnt im populistischen Rechts-Sprech seiner neu gefundenen Lieblingspartei: „Nicht alle Muslime sind Terroristen, aber viele Terroristen sind leider Muslime“, sagte er den johlenden Zuhörern, als hörten sie solche Phrasen gerade zum ersten Mal, und zündelte weiter: „Kann einer genau definieren, was der Unterschied zwischen Islam und Islamismus ist?“ Überhaupt sei es „eine grauenhafte Zumutung, den Koran lesen zu müssen“.

Die konservativ-frömmelnde katholische Tageszeitung „Die Tagespost“ – ebenso wie kath.net nicht kirchlich betrieben und um die es ebenso wie Ockenfels’ Institut so schlecht bestellt ist, dass sie ihre Leser letztes Jahr um finanzielle Unterstützung bitten musste – nimmt an dem Ton des Dominikaners keinen Anstoß. Dort durfte er sich nun auch für seine AfD-Anwandlungen verteidigen. Gefragt, wie er zu dem Sternberg-Urteil über sein Engagement in der Partei stehe, sagt er über den Kirchen-Lobbyisten, er sei „keine kirchliche Autorität, sondern ein Parteiinteressenvertreter, der die Merkel-Politik absegnet“. Als disqualifiziere sich, wer mit Merkel d’accord geht, als ernstzunehmender Kirchenamtsinhaber!

Ockenfels hält es lieber mit AfD-Leuten

Ockenfels hält es jedenfalls lieber mit AfD-Leuten. Ja, denn auch mit Höcke, fragt ihn „Die Tagespost“, der der völkische Ton des Parteilagers um den thüringischen Landtagsabgeordneten dann doch etwas zu weit zu gehen scheint. Nein, auch das Höcke-Lager stellt Ockenfels vor kein „Gewissensproblem, sondern vor die sachliche Frage, ob und wie weit Begriffe wie Volk und Nation mit der katholischen Soziallehre kompatibel und sozialethisch relevant sind“. Ein Schelm, wer auf die Idee käme, bei Google einmal nach dem Wortpaar „völkische Theologen“ zu suchen. Im Dritten Reich glaubte so mancher Theologe auch an die Vereinbarkeit von Volk und Nation …

Demgegenüber äußerte der Münchner Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, aktuell in der „Zeit“: „Nationalist sein und katholisch sein, das geht nicht.“ Auch Marx ist Sozialethiker wie Ockenfels. Wer als Partei auf das „C“ rekurriere, gehe eine Verpflichtung ein, sagt Marx – „im Sinne der christlichen Soziallehre besonders in der Haltung gegenüber den Armen und Schwachen“.

Zum Glück kann sich Ockenfels darauf berufen, dass die AfD ja „nicht ausdrücklich ,christlich‘“ sei. Sie vertrete wohl aber „naturrechtliche Positionen, die sie auch für Christen attraktiv machen. Etwa in Fragen des Lebensschutzes, der Familienpolitik, der Islamkritik und Genderproblematik.“ Man merkt, dass Professor Doktor Ockenfels schon länger keine Professur mehr an einer katholischen Fakultät innehat. Denn dort wird längst eine traditions-kritische Theologie gelehrt, im konstruktiven Dialog mit anderen Disziplinen – und ja, beispielsweise auch mit Gender- und Islam-Professuren.

Ockenfels kann gut mit rechtspopulistischem Blogger Berger

Akademisch verwurzelt ist auch das zweite „katholische Gesicht“ im Kuratorium der Desiderius-Erasmus-Stiftung nicht mehr. Der Theologe David Berger tauschte seine Karriere als „korrespondierender Akademiker“ einer Hochschule in Rom lieber gegen ein Leben als öffentlich bekennender Homosexueller. Nach seinem Outing 2010 verstand er sich zunächst darauf, gegen die Homophobie der katholischen Kirche zu wettern, verdächtigte zuweilen gar die Galionsfigur der Konservativen, Alt-Papst Benedikt XVI., selbst homosexuell zu sein.

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