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Demo für alle Die Pleitetour der Freifrau von Beverfoerde

Sie zogen durch neun Städte, um den Menschen zu erklären, warum die Ehe für alle abzuschaffen gehört. Es ist ihnen nicht gelungen. Hedwig von Beverfoerde sollte sich Hobbys suchen. Ein Kommentar.

Berlin
Die Tour der "Demo für alle" endete in Berlin. Foto: imago

Fleißig hatten sie die Werbetrommel auf allen Kanälen gerührt: Freifrau Hedwig von Beverfoerde, ihr klerikaler Verein „Demo für alle“ sowie die rechte Splittergruppe CitizenGo um Eduard Pröls. Einen orangefarbenen Bus mit einem Stich ins Braune hatten sie aus Österreich gechartert, unschuldige Jugendliche solange indoktriniert, bis sie freiwillig in das Gefährt stiegen, um einem Kreuzzug gleich durch die Republik zu rasen und ihre Botschaften aus der bundesrepublikanischen Mottenkiste in zehn Städten zu verbreiten. Die Jungs und Mädels in ihren orangenen T-Shirts können einem nur leidtun, und sollten sie ein Trauma davontragen – verantwortlich ist dafür einzig die Freifrau von Beverfoerde.   

„Bus der Meinungsfreiheit“ nannten sie ihre Pleitetour, die nichts weniger vorhatte, als rückgängig zu machen, was vom Bundestag längst beschlossene Sache ist: die Öffnung der Ehe für Homosexuelle. Aber selbstverständlich darf eine Hedwig von Beverfoerde frei äußern, dass „jedes Kind ein Recht auf Vater und Mutter“ hat, weswegen ergo Homosexuelle keine Kinder adoptieren dürften. Gleichzeitig darf sie sich auch für Kinderrechte nicht die Bohne interessieren, wie aufgrund ihres fanatischen Kampfs gegen den „Lehrplan zur Sexualerziehung“ und insofern gegen das Recht auf Aufklärung und Selbstbestimmung jedem ersichtlich sein dürfte.

Leben muss sie jedoch mit Widerstand, und der ist – Frau Beverfoerde, wir leben im Jahr 2017 – allerorten groß und ihr mobiler Indoktrinierungstrupp gnadenlos gescheitert.

Pegida und „Demo für alle“ in München

Als schlechtes Omen hätte ihr bereits der erste Stopp in München dienen können, wo sie mit Unterstützung örtlicher Pegida-Vertreter, wie Heinz Meier und Stefan Schachtel aus dem Vorstand von Pegida e.V. nicht ansatzweise den Gegendemonstrant*innen zahlenmäßig etwas entgegenzusetzen hatte. Dass ein Straßenmusikant laut Augenzeugenberichten das Szenario mit „Somewhere over the Rainbow“ atmosphärisch untermalte, wird die Kreuzritterin kaum wahrgenommen haben dürfen – was schade ist, vielleicht hätte es sie zur Umkehr bewegt.

In Karlsruhe sah es auch nicht viel besser aus. Dort wurden, wie „Ladyfest Karlsruhe“ zu berichten weiß, „zur Höchstzeit 20 Menschen“ gesichtet gegenüber den knapp 120 Gegendemonstranten. Und Stuttgart? In der Stadt, die von der „Demo für alle“ ähnlich gebeutelt ist wie Wiesbaden, sollen es auch nur um die 20 Leute gewesen sein – davon saßen bereits 15 im Bus, der Rest bestand wohl aus Pius-Brüdern und einem CDU-Mandatsträger. 150 Menschen haben dafür gesorgt, dass Beverfoerde ihre Meinung sagen konnte, sie aber keiner gehört hat.

Vergleiche mit der Reichspogromnacht

Das ist übrigens auch Meinungsfreiheit, auch wenn CitizenGo-Sprecher Pröls es offenbar nicht als Verharmlosung des Nationalsozialismus empfindet, den Protest in Bezug zur Reichspogromnacht zu setzen: „Wolfgang Niedecken hat mit BAP vor mehr als 30 Jahren die Schrecken faschistischen Terrors in einen Song gepackt. Mancher von denen, die gestern in Stuttgart von der hasserfüllten Meute regelrecht eingekesselt wurden, mag sich hinterher gefragt haben, ob wir schön langsam ‚wieder soweit‘ sind“, so Pröl, der wohl froh sein kann, dass Niedecken das nicht mitbekommen hat. Aber natürlich ist es die übliche Masche der Rechten, sich in die Opferposition zu quasseln und die Verbrechen der Nazis für eigene Zwecke zu missbrauchen – macht die AfD auch regelmäßig.     

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