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Code „Q“ Die rechte „Gelbwesten“-Revolution

Die deutsche Rechte dockt sich an die französische Bewegung der „gilets jaunes“ an und plant die große Revolution. Anhänger sollten aber vorher das Tanken nicht vergessen. Kommentierende Analyse.

Protest
In Kandel tragen sie vom rechten „Frauenbündnis“ bereits gelbe Westen. Foto: imago

Menschen in gelben Schutzwesten gehen aktuell in Frankreich auf die Straßen. Ursprünglich war die Wut gegen die sogenannte Reformpolitik Macrons und die geplante Erhöhung der Diesel- und Benzinsteuer gerichtet. Mittlerweile wurden die „gilets jaunes“ von rechts unterwandert, weshalb nicht nur sozial Abgehängte aus ärmeren ländlichen Regionen die Barrikaden stürmen, sondern gleichsam die Rechtsextreme Marine Le Pen und ihre Gefolgschaft.

Das scheint für die deutsche Rechte Aufforderung genug, es den französischen Nachbarn gleichzutun. Ganz entzückt sind sie vom vermeintlichen Volksaufstand, die AfD-Adelige Doris v. Sayn-Wittgenstein zeigt sich auf Facebook gar in  neongelber Weste über dem Spitzenblüschen: „Eines muss man den Franzosen lassen: In der Mode beweisen sie Geschmack! Ich trage jetzt gelb. Und Sie?“ Unterstützung erhielten die französischen „Gelbwesten“ am vergangenen Wochenende auch vom rechten „Frauenbündnis für Deutschland“, das männlich dominiert regelmäßig in Kandel auf die Straße geht. „Erst Macron, dann Merkel“, frohlockten sie auf Facebook, um mit Warnweste und Deutschlandfahne an der französischen Grenze – gegen was genau zu demonstrieren? Gegen Macron? Gegen Merkel? Oder gar gegen eine Mineralölsteuererhöhung, die in Deutschland gar nicht ansteht?

Tag der „Revolution“: 1. Dezember

In den sozialen Netzwerken wurde das Thema bereits auf die Agenda gesetzt: „Große Protestaktion gegen die steigenden Benzin- und Dieselpreise, Montag 26 November keine Tankstellen anfahren, wer tanken muss, sollte das Sonntags am 25.November noch machen.“ Das klingt zunächst nach einem harmlos-nervigen Kettenbrief, es scheint jedoch, dass hier ein populistisch bespielbares Thema ins Bewusstsein gepusht werden soll, um inhaltlich auch bei Nicht-Rechten andocken zu können.

Groß beworben wird im Netz jedoch der 1. Dezember als Großkampftag, kleinere Brötchen als die französischen will man nicht backen, weshalb unbescheiden eine „Deutsche Revolution“ herbeimobilisiert werden soll. „Liebe Gelb-Westen, es brodelt in ganz Europa …Es wird Zeit, dass Deutschland aufsteht….Es geht nicht nur um die Spritpreise, sondern um das Ganze. …UN-Migrationspakt …- Demokratie und freiheitliche Werte sind uns fremd…Wir sind völlig parteilos….“ Völlig parteilos also?

„Pegida ist nur eine Täuschung der Elite, alles gekauft, die führen die Menschen nur an der Nase damit herum … Was hat sich denn getan mit Pegida? Nichts, nur lauter dumme Schafe, die einem Hirten immer montags im Kreis folgen, lächerlich“, heißt es an einer Stelle, womit die „Gelbwesten“ quasi als „Pegida“ in erfolgreich angepriesen werden. Das wird Lutz Bachmann gar nicht gerne lesen, zumal „gelbe Westen … bei Pegida mitangemeldet (sind). Hat Siggi (Däbritz?) in Bautzen extra gesagt.“ Bei „Pegida“ mitlaufen ist also völlig unparteiisch?

Massive Mobilmachung bundesweit

Online-Aktivist Frank Stollberg, der in geschlossenen rechten Facebook-Gruppen recherchiert, spricht von einer massiven Mobilmachung bundesweit. „Dass Rechte und rechtsextreme Kräfte versuchen, sich zu koordinieren, ist nichts Neues“, so Stollberg. Er vermutet jedoch auch eine Einflussnahme von außen. Bezugspunkt ist ein Video, das seit kurzem durchs Netz geistert und ebenfalls den 1. Dezember als Beginn einer Protestwelle markiert.

Es ist durchzogen mit Verschwörungstheorien und Geschichtsleugnung, deutsch, englisch und russisch untertitelt und mit schein-heroischen Kämpferposen unterlegt. Dabei wird die gesamte Klaviatur der extremen Rechten – „ man erzählt uns, wir wären schuld an den beiden Weltkriegen“,  „wir wurden versklavt“, „man verbietet uns, die Wahrheit auszusprechen“ – gespielt, gepaart mit Angstmache und Größenwahn („Sie haben Angst vor unserer Intelligenz“). Es wird mit antisemitischen Klischees nicht gespart, wenn bspw. das Bild von George Soros mit „unsere Feinde wollen die Weltherrschaft“ überschrieben ist. Ebenso wenig fehlen verschwurbelte Anbetungen an einen Gott, der ihnen „beistehen möge im letzten Kampf“.

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