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Clausnitz Der sächsische Mob macht mobil

Mindestens so schlimm wie die tobende Meute in Clausnitz ist all das, was man nicht sieht, aber gerne gesehen hätte: zum Beispiel eine handelnde Polizei. Ein Kommentar.

Polizeipräsident Uwe Reißmann. Foto: dpa

Was sich derzeit in manchen Orten Sachsens abspielt, ist an Grobheit und Primitivität kaum noch zu überbieten. Mindestens so schlimm wie die Bilder von der tobenden Meute ist all das, was man nicht sieht, aber gerne gesehen hätte: Polizisten, welche die bedrohliche Menge deutlich auf Abstand halten und nicht bis fast an den Bus lassen. Polizisten, die den Mob ernsthaft daran hindern, die Flüchtlinge zu bedrohen und zu verängstigen. Den Bürgermeister, der sich stellt und versucht, die Lage zu entschärfen, anstatt sich rauszureden, Leute von außerhalb hätten die Dörfler aufgewiegelt. Stattdessen wirft ein Polizeichef Flüchtlingen vor, sie hätten den Mob provoziert.

Clausnitz und Bautzen stehen beispielhaft für politische Lähmungserscheinungen, die sich seit Monaten in Sachsen ausbreiten. Der Mob macht in vielen Ecken des Landes mobil, Pegida heizt seit Monaten die Massen an und fordert zum „Ausmisten“ auf. Nun kocht es über, die Dinge sind außer Kontrolle.

Wenn Politiker sich dem nicht stellen und wenn auf der anderen Seite kein Funke Bereitschaft mehr besteht, den gewählten Politikern zuzuhören und Argumente anzunehmen, dann ist Demokratie am Ende, dann regieren Geschrei und Faustrecht. Clausnitz – das ist der Blick in den Abgrund.

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