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CDU Die Sau von Kiel

Die CDU-Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein plädiert für Schweinefleisch in öffentlichen Kantinen – und erntet für diesen Vorstoß viel Spott. Zu recht. Ein Kommentar

Schweine sind laut CDU-Fraktion in Kiel zum Essen da. Foto: Rolf Oeser

Es gibt ja Leute, die sagen, dass diese Landtage eigentlich gar nicht mehr gebraucht würden. Sie entscheiden ein bisschen über Bildungsfragen. Auch Polizei ist Ländersache. Und dann „das bisschen Haushalt“, das Johanna von Koczian einst so kunstvoll besang. Aber sonst? Zumindest der CDU-Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein scheint langweilig geworden zu sein. Anders ist nicht zu erklären, dass sie den Speiseplan der öffentlichen Kantinen als politisches Thema entdeckt hat. „Die Landesregierung wird aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass Schweinefleisch auch weiterhin im Nahrungsmittelangebot sowohl öffentlicher Kantinen als auch in Kitas und Schulen erhalten bleibt“, heißt es in einem Antrag für die Landtagssitzung in der nächsten Woche. Dort sei es nämlich, so die Botschaft, aus Rücksicht auf die religiösen Bräuche von Muslimen nicht mehr zu finden.

Im Islam ist Schweinefleisch tabu, im Judentum ebenso.

Nun könnte man auf den bösen Gedanken kommen, der Nord-CDU gehe es eigentlich darum, vor allem den Muslimen mal zu zeigen, wo das Fleischermesser hängt. Immerhin war es die CDU, die am lautesten gegen den Veggie Day der Grünen zu Felde zog. Da mutet es gelinde gesagt widersprüchlich an, dass ausgerechnet sie jetzt einen Pork Day möchte. Doch traut man schleswig-holsteinischen Christenmenschen so viel anti-muslimische Hinterhältigkeit zu? Eher sieht es so aus, als sei in dem Land zwischen den Meeren ansonsten alles bestens geregelt – von den Kantinen einmal abgesehen.

Von der politischen Konkurrenz wird CDU-Fraktionschef Daniel Günther jedenfalls nicht besonders ernst genommen. Der grüne Sprecher für Religionspolitik, Volker Beck, sagte, wer keine anderen kulturellen Werte als Schweinefleisch habe, „ist eine arme Sau“. Der ansonsten um keine Gemeinheit verlegene FDP-Bundesvize Wolfgang Kubicki bespöttelte die neue „Hackordnung“ der CDU vergleichsweise milde: „Gleiches Recht für alle: Keine Diskriminierung von Rindfleisch.“ Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel wurde da schon schärfer, in dem er erklärte, man müsse „aufpassen, dass man die Themen im Umgang mit Flüchtlingen jetzt nicht auf schlechtes Comedy-Maß reduziert“.

Unbestreitbar ist: Wenn dieser Tage irgendwo eine Sau durchs Dorf getrieben wird, dann in Kiel. Womit der Status von Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt nun offenbar abschließend beschrieben wäre.

 

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