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Antiziganismus Der Kern der Provokation

Die Provokation des italienischen Innenministers Salvini fällt bei großen Teilen der Bevölkerung in Europa auf fruchtbaren Boden. Je mehr politische Entscheidungsträger auf nationale Alleingänge setzen, desto weniger Raum bleibt für vernünftige Politik zum Wohle ethnischer Minderheiten. Ein Kommentar.

Italienischer Innenminister Salvini
Der italienische Innenminister Matteo Salvini wollte Sinti und Roma in Italien zählen lassen. Er wurde von Regierungschef Conte zurückgepfiffen. Foto: dpa

Der italienische Regierungschef Giuseppe Conte hat ein Machtwort gesprochen: Es werde keine Volkszählung auf ethnischer Grundlage geben. „Diskriminierend und verfassungsfeindlich“ nannte er den Vorschlag seines Innenministers Matteo Salvini, doch ein Register der im Land lebenden Roma anzulegen. Alles gut also? Keineswegs.

Die öffentliche Empörung über Salvinis bewusst an faschistische Traditionen anknüpfende Provokation darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese bei großen Teilen der Bevölkerung in Italien und im Rest Europas auf fruchtbaren Boden fällt. Sinti und Roma sind die am stärksten diskriminierte Minderheit in Europa – auch in Deutschland. Auch wenn die Mauer um das Roma-Ghetto im tschechischen Ustí nad Labem letztendlich geschleift wurde – die Mauer des Antiziganismus in den Köpfen ist heute höher denn je. 

Sie abzubauen wäre eine länderübergreifend wichtige Aufgabe. Doch je mehr politische Entscheidungsträger – auch in München – auf nationale Alleingänge setzen, desto weniger Raum bleibt für vernünftige Politik zum Wohle ethnischer Minderheiten. In Italien und anderswo.

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