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„Antisemitismus in Europa“ Darum hat die „Bild“ diesmal Recht

Weil ein Beitrag über Antisemitismus angeblich zu unausgewogen ist, verweigert Arte die Ausstrahlung. Die „Bild“-Zeitung stellt ihn jetzt trotzdem ins Netz - gut so!

Jüdisches Leben in Frankfurt: Eine Dokumentation über Antisemitismus muss eine Provokation sein. Foto: (Andreas Arnold)

Wäre der Film keine Provokation, müsste man ihn verbieten. Eine Fernseh-Dokumentation über „Antisemitismus in Europa“, die sein Anschwellen – nicht seine Rückkehr, denn er ist niemals weg gewesen – in den europäischen Gesellschaften verschwiege, die nicht darauf verwiese, dass der Antisemitismus seit Jahrhunderten zum ideologischen Handgepäck linker und rechter Intellektuellen gehört, die auch kein Wort darüber verlöre, in welchen Kostümierungen er auftritt, würde zu Recht verboten.

Eine Dokumentation über Antisemitismus muss eine Provokation sein – für alle Antisemiten, die als  „Israel-Kritiker“, als um das Wohl der Palästinenser besorgte Unterstützer der Hamas oder als Kritiker des internationalen Finanzkapitals in die Öffentlichkeit treten.  Mit anderen Worten: Ein Film, der über Antisemitismus so „ausgewogen“ berichtet, dass sich kein Antisemit von ihm behelligt fühlt, der also nicht entschieden gegen den Antisemitismus Partei ergreift, darf sich nicht über den Vorwurf beklagen, selbst  antisemitisch zu sein.

Der deutsch-französische TV-Sender Arte  weigert sich, die von einer deutschen Fernsehproduktionsgesellschaft erstellte und von der Arte-Redaktion des Westdeutschen Rundfunks (WDR) betreute Dokumentation über „Antisemitismus in Europa“ auszustrahlen. Der Programmdirektor von Arte, Alain Le Diberder, verhindert die Sendung der 90-minütigen Dokumentation mit der Begründung, sie sei zu wenig ausgewogen, also eine Provokation.

Die „Bild“-Zeitung hat die Dokumentation jetzt ins Netz gestellt. Sie ist unausgewogen im besten Sinne. Sie ist unausgewogen, weil sie entschieden gegen den Antisemitismus Partei ergreift. Sie ist unausgewogen im besten Sinne, weil sie linke und rechte, arabische und europäische Antisemiten zu Wort kommen lässt, die sich damit selbst als Antisemiten überführen.  Die Dokumentation ist ein anspruchsvoller, wichtiger Beitrag zur Aufklärung über den grassierenden Antisemitismus. Umso verstörender ist die Zensur des Arte-Programmdirektors, der die Ausstrahlung verhindert, und umso verdienstvoller die Entscheidung der Bild-Zeitung, ihn der Öffentlichkeit nun doch noch zugänglich zu machen.

 

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