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Alexander Gauland in Frankfurt Verschwörungs-Erzählungen von Rechtsaußen

Der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland bedient sich in Frankfurt-Oberrad der Thesen der Identitären Bewegung und zeichnet das bewährte AfD-Bedrohungsszenario. Nur: Wer bedroht diese Gesellschaft tatsächlich? Ein Kommentar.

AfD
Alexander Gauland sprach in Frankfurt vom Bevölkerungsaustausch. Hier spricht er in Bürstadt. Foto: imago

So viel los war in Frankfurt-Oberrad wohl lange nicht mehr. Hunderte waren auf die Straße gegangen und demonstrierten gegen den Auftritt des AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland im Saalbau. Der war extra angereist, um seine Parteikameraden im Hessen-Wahlkampf – „auf feindseligem Gebiet“ (AfD-Direktkandidat Erich Heidkamp) – zu unterstützen, und eigentlich hätte man ein volles Haus erwartet. Doch einige Stuhlreihen blieben leer in der überwiegend mit Männern besetzten und von mehreren Ordnern bewachten Veranstaltungshalle. Fotos machen war streng verboten, Tonaufnahmen ebenfalls, mitschreiben hingegen nicht.

Als Gauland die Bühne betrat, waren seine Zuhörer bereits auf Betriebstemperatur. „Diese CDU ist die CDU von Merkel. Und am Ende wird es diese CDU nicht mehr geben. Inhaltlich leer“, begann der Ex-CDUler noch einigermaßen harmlos, um sich dann am sozialdemokratischen Feind abzuarbeiten. Ganz im Opfermodus beschwerte er sich über die Anti-AfD-Reden, „Niveau-Limbo“, im Bundestag von Martin Schulz und Johannes Kahrs, wobei er die Auftritte seiner eigenen Partei verdrängt haben dürfte. Hier sei beispielhaft an Alice Weidel am 5. Mai erinnert. „Wer zahlt denn Ihre Pensionen,  Herr Hofreiter, Sie Schreihals. Ihre eingewanderten  Goldstücke?“, sprach sie seinerzeit in astreinem Hetzdeutsch.  

AfD-Erzählstrang Opferrolle

Gerne wäre die AfD die „einzige Oppositionspartei“, würde da nicht ständig von der linksversifften Lügenpresse „mit der Nazikeule“ am Image gekratzt. Einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz sieht Gauland dennoch gelassen entgegen: „Wir haben nichts zu verbergen.“ Ob die Gelassenheit daran liegt, dass sich, glaubt man AfD-Politiker Stephan Brandner, unter Mitarbeitern des Verfassungsschutzes auch jenseits von Maaßen einige AfD-Sympathisanten befinden?

Wie auch immer stehen Verschwörungstheorien nicht unter Strafe, wie beispielsweise jene, dass Ex-Verfassungsschutzpräsident Maaßen entlassen worden sei, „weil er die Wahrheit“ gesprochen habe. „Wer aufmuckt fliegt“, da würde dann schnell belastendes Material „aus dem Hut gezaubert“. Dass Gauland seinem Buddy Schützenhilfe leistet, war nicht anders zu erwarten. Ihn als kriminalisiertes Opfer zu verkaufen, fällt trotzdem unter Intelligenzbeleidigung, ist doch der eigentliche Skandal der, dass Maaßen nicht bereits nach seiner NSU-Pfuscherei den Hut nehmen musste.

Gauland schaukelte sich so langsam hoch, die Opferrolle – „Kinder dürfen in der Schule nicht sagen, was geredet wird“ – war einer der drei Hauptstränge seiner samstäglichen Erzählung. Die wird für die Anhängerschaft dringend gebraucht, da sie die Legende der Mutigen füttert, die zwar öffentlich permanent reden, aber in der Suggestion etwas scheinbar gefährlich Revolutionäres tun. Das schweißt zusammen und macht den kleinen Mann größer, als er in diesem Moment eigentlich ist.

AfD-Erzählstrang Dramatisierung

Ein weiterer Strang war die Dramatisierung der Zustände in Deutschland, einem der sichersten und laut Global Peace Index 2018 auf Platz 17 der friedlichsten Länder der Welt – hinter Norwegen und vor Ungarn. Von solchen Zahlen hat die AfD nun einmal nichts, daher zeichnete Gauland das bekannte Bedrohungsszenario der gefährlichen Islamisten, BKA-Angaben zufolge waren das 770 in 2017. Im gleichen Zeitraum zählte der Verfassungsschutzbericht 12.700 gewaltbereite Rechtsextreme. Sind das die, die Gauland euphemistisch „eine Handvoll Hohlköpfe“ nannte? Die wählen vermutlich die AfD, also muss die Gefahr von Flüchtlingen ausgehen, die wiederholt als „Räuber, Vergewaltiger, Messerstecher“ bezeichnet wurden.

So seien in Chemnitz drei Menschen von Flüchtlingen „niedergemessert“ worden, er sprach gar von „Massenmord“. Das läuft nach aktuellen Erkenntnissen unter „Fake News“. Zumindest spricht die Staatsanwaltschaft von einem Tötungsdelikt als Folge einer Auseinandersetzung zweier Gruppen, doch empfindet es wohl Gauland nicht als pietätlos, die Tötung des 35-jährigen Chemnitzers zu Wahlkampfzwecken auszuschlachten.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier AfD

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