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Aktivposten Tampons und Frauenrechte

Penelope Kemekenidou will eine neue Umsatzsteuer

Ob für Datenschutz oder gegen Abschiebung, für Kulturzentren oder gegen Megabahnhöfe – immer öfter entstehen politische und gesellschaftliche Initiativen nicht mehr aus Parteien und anderen Organisationen und Institutionen heraus, sondern werden von Einzelnen gestartet. Es sind Menschen, die aktiv etwas verändern wollen. In Zusammenarbeit mit der Petitionsplattform change.org stellt die FR jeden zweiten Samstag einen von ihnen vor.

Sind Tampons und Binden Luxusgüter oder Artikel des täglichen Gebrauchs? Wohl eher letzteres. Und wie steht es mit Lachskaviar? Genau. Warum müssen Frauen in Deutschland dann 19 Prozent Mehrwertsteuer auf ihre Hygieneartikel zahlen, aber nur 7 Prozent auf die leckeren Fischeier?
Diese Frage hat sich auch Penelope Kemekenidou aus München gestellt – und klar beantwortet. „Für mich ist das ein besonders anschauliches Beispiel dafür, dass unser Steuersystem zur Benachteiligung von Frauen beiträgt“, sagt die 28-jährige Doktorandin aus München. Sie hat deshalb eine Online-Petition gestartet und fordert von den verantwortlichen Politikern im Bundesrat eine Korrektur des Steuersatzes.
Die ersten Reaktionen auf den Aufruf seien positiv, erzählt Kemekenidou, „obwohl schon manche fragen, ob ich keine anderen Probleme habe“. Doch für die junge Münchnerin geht es eben nicht allein um den Preis des Tampons, sondern um die Rechte von Frauen allgemein. Das konkrete Anliegen liefere ihr nur eine anschauliche Vorlage, um „ein altes Fass neu aufzumachen, so dass es jeder versteht“. Aus Sicht der Münchnerin muss man ihre Forderung nach einer „Abschaffung der Tamponsteuer“ vor dem Hintergrund etwa der enormen Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern zu sehen.
Kemekenidou ist erfahren im Online-Kampf für Frauenrechte. Die Amerikanistin gehört zum Team der Kampagne „Stop Bild-Sexism“, die die Abschaffung des „Bild-Girls“ fordert und für eine respektvolle Berichterstattung über Frauen und Mädchen wirbt. Und sie war beteiligt an der Aktion der Münchner Grünen im vergangenen Herbst gegen einen Auftritt von Julien Blanc. Der sogenannte „Pick-up Artist“ gibt weltweit Seminare, wie man Frauen „aufreißt“.
Im Vergleich zu diesen Aktionen kommt Kemekenidous Tampon-Aufruf nahezu unspektakulär daher. „Es geht ums Geld, das ist nicht so emotional, deshalb weckt man auch nicht so viele Aggressionen wie zum Beispiel mit dem Bild-Thema“, erzählt sie. Auf einen Erfolg hofft sie dennoch – auch weil in einigen europäischen Nachbarstaaten wie Italien und Frankreich ähnliche Kampagnen laufen. „Vielleicht lässt sich das Ganze ja in Brüssel regeln.“

Der Aufruf ist zu finden unter: www.change.org/tamponsteuer

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