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AfD und Carsten Härle Wenn die Rechten das Opfer zum Täter machen

Eine Schülerin erhält einen Preis für Zivilcourage und die Rechten bekommen Schnappatmung. Der Shitstorm gegen die 15-Jährige dreht sich um die These, Zivilcourage sei „verblockwartet“ worden. Ein Kommentar.

Demonstration
Rechte demonstrieren in Dresden. Foto: Matthias Schumann (imago stock&people)

Das können die Rechtsganzweitaußen einfach nicht auf sich sitzen lassen: Eine 15-jährige Schülerin zeigt einen ihrer Mitschüler wegen Volksverhetzung an und wird dafür mit einem Preis für Zivilcourage ausgezeichnet.

Sie hatte sich gegen Nazi-Sprüche in ihrer Klasse zur Wehr gesetzt, in der Hitler-Gruß, Witze über die Shoah und Nazi-Codes zum guten Ton gehörten: „Das  Schrecklichste war ein Foto einer Rauchwolke mit der Bildunterschrift ‚jüdisches Familienfoto‘ – da  wehrte ich mich und schrieb, sie sollen mit dem Nazigetue aufhören.“ Die Dresdnerin erntete nur Anfeindungen („wohl zu viele tote Juden eingeatmet“) und wandte sich an die Polizei.

Hitler-Gruß, Witze über die Shoah und Nazi-Codes

Carsten Härle, Vorsitzender der AfD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung in Heusenstamm, kompensierte zeitnah seine Schnappatmung mit einem geschichtsrevisionistisch-frauenfeindlichen Rundumschlag auf Facebook, in dem er gegen die 15-Jährige gehetzt und den Mob unzensiert hatte toben lassen (die FR berichtete).  Schließlich war der Post von der Seite verschwunden – was nicht etwa der Einsicht von Härle geschuldet war. Vielmehr reagierte Facebook auf heftige Proteste und löschte die Hetze von seiner und der Seite der AfD Heusenstamm.

Doch der AfD-Mann wäre nicht Carsten Härle, ließe er es damit auf sich beruhen. Mit „Denunziation heißt nun Zivilcourage“ postet er einen weiteren Artikel zum Thema, den die rechte Online-Plattform Faktum-Magazin dem radikal antifeministisch-pseudowissenschaftlichen Blog „ScienceFiles“ entnommen hat. Das Machwerk beinhaltet allerlei Zitate, vom Duden bis Dahrendorf, um die These zu untermauern: „Zivilcourage ist verblockwartet worden“. Die linksversifften Gutmenschen sollen die Zivilcourage zur „Floskel“ gemacht haben, die sich „nicht mehr gegen die Obrigkeit“, sondern vielmehr gegen andere Bürger richte. Dass Zivilcourage die Wahrung moralischer Werte meint, trotz möglicher Nachteile, ist begrifflich gar nicht an eine Staatsmacht als Gegenüber  gekoppelt. Der nicht genannte Autor braucht diese sachlich falsche Behauptung jedoch, um seine simple Argumentationskette durchzuhalten.   

15-Jährige erneut als Denunziantin verunglimpft

Die benötigt den in der rechten Szene beliebten Verweis auf den Nationalsozialismus, und zwar dahingehend, man könne die „Widerstandskämpfer, die im Dritten Reich Zivilcourage bewiesen haben,…, (lächerlicher),…, nicht mehr machen, als sie mit Informanten staatlicher Ordnungsbehörden in einen Topf zu werfen“. Bezugspunkt ist natürlich die 15-Jährige, die erneut als Denunziantin verunglimpft wird, obwohl auch sie sich gegen rechtsradikale und antisemitische Umtriebe zur Wehr setzt.

Die sollen verharmlost werden, weshalb sich der Autor einer Täter-Opfer-Umkehrung bedient und die Sicht auf den Sachverhalt verschiebt: Das Mädchen, das sich gegen ihre Klassenkameraden trotz Anfeindungen wehrt, handele fremdgesteuert und obrigkeitshörig, und eben nicht ihren Wertvorstellungen entsprechend – wie es die Widerstandskämpfer während der NS-Zeit getan haben.

Hingegen seien antisemitische  Judenwitze und „Heil Hitler“-Grüße „Provokationen durch Halbstarke“, und mit Jugendlichen, die ihr Handy gerne mal „88%“ aufladen (wie Härle übrigens auch), hätte man die „Meinungsverschiedenheit“ doch sicherlich ausdiskutieren können. Das hätte man mit Sicherheit nicht, unter anderem auch deshalb nicht, weil sich der Staat in den letzten Jahren gerade nicht durch das vehemente Vorgehen gegen rechtsradikale Umtriebe ausgezeichnet hat.

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