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AfD Stuttgart „So sind sie, die roten Terroristen!“

AfD-Mann Stefan Räpple hetzt gegen die SPD und wird des Stuttgarter Landtags verwiesen. Rechtsaußen Wolfgang Gedeon folgt ihm. Ihr gemeinsames Feindbild: Landtagspräsidentin Muhterem Aras. Ein Kommentar.

Stuttgart
Zwei, die sich mögen: die AfD-Politiker Stefan Räpple und Wolfgang Gedeon. Foto: dpa

Was sich am 12. Dezember im Stuttgarter Landtag abspielte, wirft abermals ein Licht auf das Demokratieverständnis der AfD. Das Plenum hatte auf Anregung der Rechten über Abtreibung und die angeblich „linksideologischen Einflüsse“ in Kindergärten debattiert. AfD-Abgeordneter Stefan Räpple wusste sich zwischenrufend qualitativ zu äußern: „So sind sie, die roten Terroristen!“, und meinte damit die SPD. 

FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke ließ das nicht auf seinem politischen Gegner sitzen. Er sei nicht immer einer Meinung mit den Sozialdemokraten, aber die Herren und Damen der AfD mögen „80 Jahre in der Geschichte zurückdenken. Da saßen die Vorgänger dieser Abgeordneten im KZ, weil sie gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz gestimmt haben. Und die geistigen Vorläufer von Leuten wie Herrn Räpple sind im Stechschritt durchs Brandenburger Tor marschiert.“

Dem will man nicht widersprechen, in den AfD-Reihen sahen sie es anders. Eine Kollektivbeleidigung sei das, motzten die AfDler, was Landtagspräsidentin Muhterem Aras, schon häufig durch die AfD angefeindete Grünen-Politikerin, aber völlig unbeeindruckt ließ. Mehrfach rief sie Räpple zur Ordnung. Der verhielt sich wie ein trotziges Kind, dem man das zweite Stück Kuchen verwehrt. Schließlich verließ er mit freundlicher Unterstützung der Polizei das Plenum.

„Eine Kurdin sorgt für türkische Verhältnisse im Landtag“, ätzt Räpple aktuell auf Twitter und negiert den Fakt, dass Aras deutsche Staatsbürgerin ist. Damit geht er weiter als die identitäre Vorzeigephilosophin Caroline Sommerfeld, die in ihren kruden Thesen den Begriff des „Passdeutschen“ für Menschen einführte, die nicht in den Grenzen von 33 geboren worden sind. Räpple spricht Aras gleich komplett im völkischen Sinne ihre Staatsbürgerschaft ab.

Der AfDler hat noch mehr auf Lager, wenn er beispielsweise den Verfassungsschutz ganz nach verschwörungstheoretischer Rechtsmanier als  „BRDStasi“ markiert, und – wohl in wehmütigem Gedenken an Hans-Georg Maaßen – die Überwachung „der Antifa und ihrer Brutstätten - den Jusos, der GrünenJugend und der LinksJugend sowie den zu gewaltbereiten Aktionen aufrufenden Gewerkschaften wie verdi und der IGM“ fordert.  

Nähe zu Wolfgang Gedeon

Ländle-übergreifend ist Räpple kein Unbekannter, was auch an seiner Nähe zu Wolfgang Gedeon liegen mag, der den Holocaustleugner David Irving als „Dissidenten“ bezeichnete, aber von Räpple als „Opfer einer schlimmen Medienkampagne“ bezüglich Antisemitismus verharmlost wird. So äußerte er sich zumindest auf einer AfD-Demo in Stuttgart gegen den UN-Migrationspakt, als 75 Menschen zusammenkamen, um Gedeon, dem „wandelnden Lexikon“, zu lauschen. Gedeon, den UN-Migrationspakt als „Nomadenkommunismus“ bezeichnend und wirr von „Vermischungsrassismus“ fabulierend, wisse zu jeder Frage die Geschichte betreffend eine Antwort, schwärmte Räpple – außerdem habe er „drei so dicke Bücher über Geschichte geschrieben“. Eventuell auch über die "westlichen globalen Eliten", wie Gedeon referierte. Tatsächlich haben schon viele Menschen Bücher geschrieben, aber lassen wir das.

Wie dicke die zwei miteinander sind, zeigt sich noch dadurch, dass Wolfgang Gedeon dem Kameraden ins temporär realpolitische Aus folgte. Auch er musste den Stuttgarter Landtag aufgrund von Zwischenrufen verlassen. Sozialdemokraten als Terroristen zu bezeichnen, geht nach AfD-Verständnis in Ordnung. Dass jedoch die politische extreme Rechte in der Tradition des deutschen Nationalsozialismus steht, wissen sie vermutlich selbst, wollen es halt nicht laut ausgesprochen wissen. 

Transparenz: „Die politische Rechte“ wurde durch die „politische extreme Rechte“ ersetzt.  

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier AfD

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