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AfD-Politiker Björn Höcke Wenn Ultrarechts gegen Ultrarechts demonstriert

Die rechtsextreme „Thügida“ demonstriert gemeinsam mit den „Republikanern“ gegen niemand anderen als AfD-Rechtsaußen Björn Höcke. Ein Kommentar.

Landesparteitag der AfD Thüringen
AfD-Mann Björn Höcke badet im Ruhm. Sein Fußvolk aber ist sauer. Foto: dpa

Die rechtsextreme Vereinigung „Thügida“, Ableger des Dresdner Mutterschiffs „Pegida“, und die „Republikaner“ (ja, die gibt es noch) sind sauer auf den thüringischen AfD-Landeschef Björn Höcke. Und zwar so sauer, dass sie in Bornhagen, dem Wohnort des Rechtsaußen, für Sonntag, den 21. November eine Demonstration angemeldet haben.

Ultrarechts demonstriert gegen Ultrarechts - klingt zwar wie ein Scherz vom „Postillon“, doch dass dies keiner  ist, vermeldet das „Göttinger Tageblatt“. Der Verwaltung des Landkreises Eichsfeld, der äußerste Nordwesten von Thüringen, würde eine Demoankündigung vorliegen, und als Veranstalter „Thügida“ und die von der Bildfläche verschwundenen „Republikaner“ fungieren, so die Zeitung.

Jens Wilke, „Republikaner“-Mitglied im Landesverband Niedersachsen, und der wegen Volksverhetzung vorbestrafte EX-NPDler und „Thügida“-Aktivist David Köckert haben wohl eine dreistündige Demonstration geplant, wobei der Zug zwar genehmigt wurde, direkt an Höckes Wohnhaus vorbei jedoch nicht marschiert werden darf. Auf Facebook hat Köckert den Kameraden-Battle inklusive Liebesentzug in einem 1,17 minütigen Video erläutert.

Der ganz besondere Pädagoge

Bornhagen sei bekannt dafür, dem „selbsternannten Führer der Gerechtigkeit, […] Unterschlupf gewährt zu haben“, äußert Köckert verbittert. Der Name fällt nicht, doch als „ganz besonderer Pädagoge in Bornhagen“ kommt eigentlich nur der beurlaubte Gymnasiallehrer Björn Höcke in Frage,  den er einen Atemzug weiter als den „rückhaltlosesten, feigsten Politiker, den ich so kenne“ bezeichnet. Hat Höcke das verdient, jener Höcke, der das rechtsextreme Tor in die AfD, nach eigener Aussage ja gar nicht so richtig recht, ganz weit aufzustoßen versteht? 

Für „Thügida“ wohl durchaus, denn der AfD-Landeschef hat seinem rechten Fußvolk eine knallharte Absage erteilt: „Pegida bleibt für uns ein natürlicher Verbündeter. Mit Thügida haben wir nichts zu tun“, so Höcke, der auf dem Landesparteitag in Arnstadt am 13. Oktober mit 84,4 Prozent der Stimmen zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahlen 2019 gewählt wurde. Diese Äußerung ist zu viel für K öckert, der sich und Konsorten von Höcke als „verteufelt“ sieht.

Björn Höcke soll sich besinnen

„Lieber Björni, …, wer sich mit der Schnupfnase von Dresden einlässt [hier dürfte Lutz Bachmann, „Pegida“-Begründer aus Dresden, gemeint sein, KT], der ist für mich auch nicht gerade viel wert. […] Vielleicht können wir Dich zum Besinnen animieren, und vielleicht denkst Du auch mal drüber nach, dass Deine Aussagen manchmal einfach nur scheiße sind.“

Generell wäre schön, wenn „Björni“ oder auch Köcki feststellen würden, dass ihre Aussagen eigentlich immer „scheiße“ sind. Dies ist allerdings nicht zu erwarten. Dass es sich aber Höcke mit seiner thüringischen Basis verscherzt, kann nur als Wahlkampfstrategie gedeutet werden. „Thügida“ agiert offen rechtsextrem und wird von Verfassungsschutzbehörden beobachtet, und das ist für einen, der sich hellbraun zu waschen scheint, um dann womöglich braun im Land agieren zu können, kontraproduktiv. „Pegida“ kommt nicht weniger rassistisch daher, wird aber nicht vom Verfassungsschutz beobachtet. Ein durchschaubares Manöver des stramm Rechten und ein weiteres Beispiel dafür, wie eng die selbsternannte „Alternative für Deutschland“ mit  Rechtsextremen vernetzt ist.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier AfD

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