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AfD Entsorgungsfantasien von rechts

In einem Post auf Facebook, der nach Name und Profilbild Dubravko Mandic von der AfD zuzuordnen ist, wird die „Entsorgung“ von Merkel und „etwa 870.000 Kollaborateuren“ gefordert. Ein Kommentar.

AfD-Demo
Kanzlerin Merkel ist bei AfD-Anhängern nicht beliebt. Foto: imago

Dubravko Mandic ist AfD-Mitglied, Jurist und gilt als Aktivist ganz weit rechtsaußen, wie er es schon häufig demonstrierte. Auf Facebook hatte er bereits den ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama als „Quotenneger“ bezeichnet, des Weiteren postete er ein Schwarz-Weiß-Bild des Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozesses und ersetzte die Köpfe von Nazi-Größen wie Hermann Göring und Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß durch Bilder von Kanzlerin Angela Merkel und den ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck. Vor Gericht wollten Mandic und seine Anwälte das als Satire verstanden wissen, das Amtsgericht Freiburg verurteilte ihn jedoch zu einer Geldstrafe von 9000 Euro wegen Beleidigung.

Kürzlich hat sich Mandic erneut von seiner rechten braunen Seite gezeigt. In einem öffentlichen Post auf Facebook, der nach Name und Profilbild Dubravko Mandic zuzuordnen ist, fordert der Nutzer die „Entsorgung“ von Merkel und „etwa 870.000 Kollaborateuren“: „Mit Merkel zusammen müssen auch etwa 870.000 Kollaborateure aus den Ministerien, Fernsehstudios, Lehrkörpern, Sozialämtern und Gewerkschaften entsorgt werden. Endlich wird in Deutschland aufgeräumt“, heißt es in dem Beitrag, der mittlerweile gelöscht ist. Mandic betreibt eine Kanzlei in Freiburg und berät unter anderem passenderweise zum Thema „Ausländer- und Asylrecht“.

Es scheint, als habe da einer keinerlei Scheu mehr, seine Gesinnung in eine Sprache zu verpacken, die den Wunsch nach einer Abschaffung des aktuellen Staatsgefüges kaum noch verschleiert. Zumindest ist eine Staatsgefährdung aus seinen Zeilen ausdeutbar, auch wenn im Post nicht geschrieben steht, wie der Urheber beinahe eine Millionen Menschen zu „entsorgen“ gedenkt, aber der Begriff gemeinhin im Kontext der Abfallbeseitigung verwendet wird.

Auch Siegfried Daebritz von der „Pegida“ Dresden hatte den Beitrag geteilt und Carsten Härle von der AfD-Heusenstamm die Gelegenheit genutzt, die Ausführungen zu kommentieren. Härle hatte im November 2017 Bekanntheit erlangt, als er eine 15-jährige Schülerin, die einen Preis für Zivilcourage erhalten hatte, der Denunziation bezichtigte und einen Shitstorm gegen die Jugendliche auslöste. Jetzt lieferte der Schreiber einen Einblick in sein persönliches Geschichtsverständnis.

Die Alliierten hätten „vor viel größeren Problemen“ gestanden – nahe liegt hier der Zusammenhang mit den Kriegsverbrecherprozessen nach dem Zweiten Weltkrieg –, „denn schließlich haben sie den Krieg angefangen und waren die eigentlichen Schuldigen“. Viele „angebliche Verbrechen“ habe es „auch gar nicht“ gegeben, „sondern bestanden nur aus erfolterten Geständnissen, die oft absolut unglaubwürdig bis unmöglich waren“. Außerdem habe Deutschland einen „Verteidigungskrieg“ führen müssen. Die Merkel-Regierung und „zigtausende Kollaborateure haben massiv auch juristisch deutsches Recht gebrochen. Alle, die nicht zweimal remonstriert haben, sind persönlich haftbar, und das sind fast alle“.

Härle ist Fraktionsvorsitzender der AfD Heusenstamm. Der Kommentar, der unter seinem Namen veröffentlicht wurde, kann als Geschichtsrevisionismus bezeichnet werden, denn es ist unstrittig, dass der Zweite Weltkrieg mit dem Überfall auf Polen begann. Deutschland in die Verteidigungsposition zu formulieren, ist selbst für einen Rechtsaußen der AfD gewagt. Welche Verbrechen es mit den „vielen angeblichen“ nicht gegeben habe, lässt sich an dieser Stelle nur vermuten. Wenn der Kommentator im nächsten Absatz die aktuelle Regierung der Rechtsbrechung bezichtigt, hingegen zuvor von „erfolterten Geständnissen“ schreibt, so liegt die Interpretation nahe, dass die durch die Alliierten verurteilten Naziverbrecher teils unschuldig, die Merkel-Regierung hingegen schuldig ist.

Mit Mandic und Härle demonstrieren zwei Politiker einer Partei, die im Bundestag vertreten ist, einmal mehr, was bekommt, wer die AfD einkauft. Und vor allem, welches Geschichtsbewusstsein die AfD durchzieht.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier AfD

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