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AfD-Chefin Frauke Petry pokert hoch

Rückzug? Mitnichten. Frauke Petry wird auf dem Parteitag für einen Strategiewechsel kämpfen. Doch ihr steht möglicherweise das politische Ende bevor - und die Partei driftet noch weiter nach rechts. Ein Kommentar.

Frauke Petry
Die Parteichefin der AfD, Frauke Petry, will nicht als Spitzenkandidatin ihrer Partei in den Bundestagswahlkampf ziehen. Foto: BILAN/EPA/REX/Shutterstock (Rex Features)

Der Machtkampf in der AfD ist beendet, so scheint es auf den ersten Blick. Frauke Petry, neben Jörg Meuthen Ko-Vorsitzende der noch jungen Partei, das weibliche Gesicht unter all den alten und mittelalten Männern, steht nicht als Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl zur Verfügung, nicht allein und auch nicht in einem Team, das verkündete sie am Mittwoch per Videobotschaft.

Dass Petry angeschlagen ist, ließ sich schon seit einiger Zeit beobachten. Die Partei folgt ihr nicht mehr bedingungslos. Ihren Versuch, auf dem Parteitag per Antrag einen Strategiewechsel herbeizuführen, begriffen die alten Männer als das, was er war: eine Kampfansage, ihr oder ich. Petry, die stets kühl kalkulierende Strategin, hat sich verrechnet, wenn sie hoffte, allein damit eine Wende einleiten zu können, weg von der Radikalopposition hin zu einer „bürgerlichen Volkspartei“.

Petry hat die Parteirechte groß werden lassen 

Sonderlich glaubwürdig ist das nicht. Noch vor zwei Jahren, als es darum ging, den Parteigründer Bernd Lucke zu stürzen, hatte Petry keinerlei Skrupel, sich der Parteirechten zu bedienen und sie damit groß werden zu lassen. Das war einer ihrer größten strategischen Fehler. Sie konnte Björn Höcke und die rechten Geister, die sie rief, nicht mehr bändigen; nicht verhindern, dass die AfD, die als Partei der Eurokritiker angefangen hatte, immer stärker zum Sammelbecken für Rassisten, Rechtsnationalisten und Rechtsextreme wird.

Unstrittig aber ist ihr unbändiger Wille zur Macht. Den nehmen ihr viele übel, erst Recht Männer vom Schlage eines Björn Höcke oder Alexander Gauland. Sie warfen ihr vor, die Partei zu spalten und taten sich zusammen, um eine alleinige Spitzenkandidatur Petrys verhindern. Das ist ihnen nun gelungen. Der Streit in der AfD ist damit aber mitnichten beigelegt, im Gegenteil. Noch ist Petry Parteichefin, noch hat sie ihren Antrag nicht zurückgezogen, noch wird sie kämpfen, auch am kommenden Wochenende auf dem Parteitag in Köln. Es ist möglich, dass sie hoch pokert, in der Hoffnung, doch noch gebeten zu werden. Es ist aber auch möglich, dass ihr politisches Ende bevorsteht und die Partei dann noch weiter nach rechts abdriftet.

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