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„AdP“ und AfD André Poggenburg und die Kornblume

Rechtsaußen André Poggenburg gründet den „Aufbruch deutscher Patrioten“ und will der AfD den Schneid abkaufen. Ob ihm die Kornblume dabei hilft? Ein Kommentar.

AdP
André Poggenburg ist Patriot durch und durch. Foto: dpa

André Poggenburg hat nicht lange gefackelt. Kurz nach seinem Austritt aus der AfD bastelte der Rechtsaußen fix ein neues Parteienlogo, das bereits seine Facebook-Seite ziert. Mit der „AdP“, Aufbruch deutscher Patrioten, will er noch in diesem Jahr bei mehreren Landtagswahlen antreten.

Sein Markenzeichen ist die blaue Kornblume, auf der unten mittig die Deutschlandfahne prangt. Blau hat es den Nationalen ja angetan, braun scheint zu sehr NPD, obwohl auf dem Blau die hässlichen braunen Flecken sehr deutlich erkennbar sind. Ändert nichts daran, dass AfD-Abtrünnige bei der Farbgestaltung bleiben. So wählte bereits die von der innerparteilichen Konkurrenz weggegrätschte Frauke Petry für ihren neuen Verein farbenpolitisch konsequent den Namen „Die Blauen“. Selbst Bernd Lucke hatte es zunächst und einigermaßen erfolglos mit „Alfa“ versucht, die er auf blauem Grund platzierte. Mittlerweile hat er sie in die LKR (Liberal-Konservative Reformer) umdefiniert, die im Land der Bedeutungslosigkeit in orange vor sich hin krebst.

Jetzt Poggenburg und seine Kornblume. Da hat er sich das symbolträchtigste Pflänzchen ausgesucht, das nicht nur Blumenliebhaber die Augen feucht werden lässt. Vielmehr stecken seinesgleichen es sich gerne ans Jackett  - und das schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts als politisches Zeichen. In Deutschland waren es unter anderem die „Fahrenden Gesellen“, eine Untergliederung des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes, der als völkisch-antisemitisch eingeordnet wird. In Österreich trug beispielsweise die „Alldeutsche Vereinigung“ des deutschnationalen Antisemiten Georg von Schönerer die Kornblume am Revers. Das „Symbol der deutschen Treue“ (Alldeutsche) stuft der österreichische Journalist und Menschenrechtsaktivist Hans-Henning Scharsach als Zeichen „des Judenhasses von Studenten“ ein, das auch als „Erkennungszeichen der illegalen Nazis“ Verwendung fand.

Mit der Kornblume dürfte sich die „AdP“ an der völkischen FPÖ orientieren, deren Parteimitglieder gerne mit dem Blümchen im Nationalrat provozieren. Sie gilt seit Mitte des 19. Jahrhunderts auch als Symbol des sogenannten „Dritten Lagers“, das sich explizit vom bürgerlichen und sozialdemokratischen Lager abgrenzt und in dessen Tradition sich die FPÖ selbst sieht.

Widerstand gegen weichgespülte Rechtsextreme

Bereits der offen rechts lebende AfD-Mann Andreas Wild zeigte 2018 sein Faible für historische Symbolik während der Gedenkstunde im Abgeordnetenhaus zur Reichspogromnacht und am Holocaust-Mahnmal, als er mit der Kornblume am Jackett seine Geisteshaltung anzudeuten schien. Entsprechend kann sich Poggenburg nicht nur auf eine historisch-inhaltliche Linie berufen, sondern sicherlich berechtigt auf die Solidarität gegenwärtiger Anhänger der Kornblumen-Symbolik hoffen.

Bleibt die Frage, wie sehr er seinen Ex-Kameraden um Björn Höcke in anstehenden Wahlkämpfen damit schadet. An der Basis regt sich – siehe Stuttgarter Aufruf – bereits Widerstand gegen weichgespülte Rechtsextreme. Sollte er genug Stimmen von der AfD abziehen und das rechte Lager zählbar spalten, was weder Petry noch Lucke gelang, hätte die Kornblume ihren demokratischen Beitrag geleistet. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier AfD

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