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55 Jahre Elysée-Vertrag Yin und Yang im Elysée

Der deutsch-französische Vertrag wird zu recht gefeiert und sollte fortgeschrieben werden - wie es Abgeordnete aus beiden Ländern fordern. Unser Kommentar.

Jahrestag des Elysée-Vertrags
Deutschland und Frankreich sind so etwas wie das Yin und Yang der Europapolitik: Entgegengesetzt, aber aufeinander bezogen. Foto: afp

Im Internet kann man sich die Filmaufnahmen ansehen: 22. Januar 1963, im Pariser Elysée-Palast unterzeichnen Präsident Charles de Gaulle und Kanzler Konrad Adenauer ein Dokument, das in die Geschichte eingehen wird. Deutschland und Frankreich, die beiden einstigen Erbfeinde, wollen eng kooperieren.

Auf den Tag 55 Jahre sind seit der Unterzeichnung des Elysée-Vertrags vergangen. Die Akteure leben nicht mehr. Der Kalte Krieg ist Geschichte, Deutschland wiedervereinigt. Damals gingen sechs westeuropäische Staaten die ersten Integrationsschritte. Heute hat die Europäische Union 28 Mitglieder.

Die Welt ist eine andere als 1963. Den Elysée-Vertrag aber gibt es immer noch. Und er wirkt noch immer, wenn auch nicht im beabsichtigten Sinne. Der Vertrag hat aus zwei verschiedenartigen Ländern engste Partner gemacht. Deutschland und Frankreich sind so etwas wie das Yin und Yang der Europapolitik: Entgegengesetzt, aber aufeinander bezogen. Sie können nur noch miteinander sein. Ohne den Elysée-Vertrag und das deutsch-französische Paar gäbe es die EU in ihrer heutigen Form nicht. Ohne die Verständigung mit Frankreich hätte es auch keine deutsche Einheit gegeben.

Am heutigen Montag kommen der Bundestag und die französische Nationalversammlung zu Sondersitzungen zusammen, um den Jahrestag der Vertragsunterzeichnung zu feiern. Die Volksvertreter wollen hier wie dort die beiden Regierungen auffordern, einen neuen Elysée-Vertrag zu erarbeiten. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich sollen noch enger und vor allem für die Bürger noch erlebbarer werden. Die Idee für einen neuen Vertrag stammt vom französischen Staatschef Emmanuel Macron. Weil in Deutschland die Regierungsbildung stockt, haben Abgeordnete aus beiden Ländern die Initiative ergriffen. Kanzlerin Angela Merkel unterstützt das Projekt.

Die deutsch-französische Freundschaft und Partnerschaft ist eine Beziehung, die auf Sympathien und gegenseitiger Wertschätzung fußt und auch deshalb stark ist, weil sie niemanden ausschließt. Es geht um einen permanenten Interessenausgleich, von dem ganz Europa profitiert.

Die Sicht auf die Welt ist nicht gleich in beiden Ländern. Man kann das gerade wieder an der Diskussion über eine Reform der Eurozone beobachten: Die einen reden am liebsten von Haushaltsdisziplin, die anderen von Investitionen. Wenn sich beide Seiten auf eine Position verständigt haben, ist in der Regel der Weg vorgezeichnet, den alle anderen mitgehen können.

Hegen und pflegen wir diese Beziehung. Sie ist historisch. Im Grunde geht es heute um die selben Dinge wie vor 55 Jahren: um Frieden und Wohlstand in Europa und die Selbstbehauptung eines Kontinents.

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