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Kommentar zur Samenspende Kein Recht auf Anonymität

Eine Samenbank muss einem anonym gezeugten Kind den Namen des leiblichen Vaters nennen. Die Entscheidung des Oberlandesgericht Hamm ist richtig - denn jeder Mensch hat ein Recht darauf, seine eigene Abstammung zu kennen.

Künstliche Befruchtung einer Eizelle in 80- bis 100facher Vergrößerung. Foto: dpa

Jeder Mensch hat Anspruch auf Kenntnis der eigenen Abstammung. So steht es in der UN-Kinderrechtskonvention, so hat es das Bundesverfassungsgericht schon 1989 entschieden und nun auch das Oberlandesgericht (OLG) Hamm.

Es hat einem inzwischen volljährigen Kind eines anonymen Samenspenders das Recht zugesprochen, von der Samenbank Auskunft über seine genetische Abstammung, also die Herausgabe der Kontaktdaten seines Erzeugers zu verlangen. Das ergebe sich aus dem Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, das höher stehe als das Recht des Spenders auf Schutz seiner Anonymität. So ist es.

Der Einwand, Samenspender und Samenbank hätten vor der Geburt die Anonymität des Erzeugers vereinbart, dessen Vertrauen werde nun durch die Herausgabe der Daten verletzt, ist bestenfalls unseriös. Denn bei dieser Absprache handelte es sich um einen sogenannten Vertrag zulasten Dritter, hier also des Kindes, das damit um seinen grundrechtlich verbürgten Anspruch auf Kenntnis seiner Herkunft gebracht werden sollte. Derartige Verträge sind nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch unwirksam.

Mag sein, dass die Entscheidung des OLG den Samenbanken das Geschäft erschwert. Aber den rund 100.000 in Deutschland mit Sperma von Samenspendern gezeugten Kindern könnte sie das Leben erleichtern.

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