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Kommentar zur "Pille danach" Der Streit ist ideologisiert

Die deutschen Bischöfe erlauben die "Pille danach", behängen ihre Haltung aber mit einer Girlande von "Wenn, dann"-Sätzen. Kardinal Meisner muss sich wütender Angriffe sogenannter "Lebensschützer" erwehren.

Kardinal Meisner avanciert zum Lieblingsfeind der "Lebensschützer". Foto: dpa

Es ist der Fluch der guten Tat: Kaum hat der Kölner Kardinal Joachim Meisner die „Pille danach“ im Fall einer Vergewaltigung für zulässig erklärt und damit einen erfreulich klaren, am Prinzip der Nothilfe und am Wohl des Opfers  orientierten Standpunkt bezogen, müssen die Bischöfe wieder das große Rudern beginnen.

Die genaue Wirkung des Präparats scheint wissenschaftlich weniger eindeutig erwiesen zu sein, als das für die ethische Bewertung wünschenswert wäre. [Wenn die „Pille danach“ nämlich eine Abtreibung im frühesten Stadium zur Folge hat, dann darf sie aus katholischer Sicht nicht eingesetzt werden – um des Schutzes des Lebens willen

Die deutschen Bischöfe haben sich wabernd aus der Affäre gezogen, indem sie ihre „einstimmige“ Haltung, die Meisners Linie folgt, mit einer Girlande von „Wenn, dann“-Sätzen behängen. Entscheidend aber ist dabei, dass sie die Verantwortung im Einzelfall bei den Ärzten und den betroffenen Frauen sehen, deren Gewissensentscheidung respektieren und sich selbst nicht als Moralapostel im OP aufführen wollen.

Das müssen sie jetzt nur noch gegen die wütenden Angriffe der sogenannten „Lebensschützer“ durchhalten, für die neuerdings ausgerechnet Kardinal Meisner, sonst ihr vielleicht engster Verbündeter in der Bischofskonferenz,  zum Lieblingsfeind avanciert ist. So schnell wechseln die Vorlieben und Loyalitäten. Meisner muss sich nun gewissermaßen von rechts überholen lassen, weil er sich links an der Leitplanke der Nächstenliebe entlang bewegt hat.

Das ist besonders bemerkenswert. Es zeigt, dass der Streit über die „Pille danach“ ideologisiert ist. Wie so viele Debatten in der Kirche. Wahrscheinlich braucht es einfach mehr gute Taten.

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