Lade Inhalte...

Kommentar zur Kirche Kardinal Meisner ist kein Islam-Hasser

Kardinal Meisners Äußerungen drohen in den Sog islamfeindlicher Ängste und demografischer Überfremdungsfantasien zu geraten. Solch eine unbedarfte Formulierung sollte einem Kirchenmann von seinem Rang nicht über die Lippen kommen.

Kardinal Joachim Meisner im Kölner Dom. Foto: dpa

Kardinal Meisner ist kein Islam-Hasser und erst recht kein Rassist. Aber seine Äußerungen über Glaubenskraft und Kinderreichtum drohen in den Sog islamfeindlicher Ängste und demografischer Überfremdungsfantasien zu geraten.

Im Überschwang über christliches Glaubenszeugnis wollte Meisner die Mitglieder des Neokatechumenalen Weges loben – Katholiken so recht nach seinem Herzen fromm im althergebrachten Sinne, bemüht um das konservative Familienbild. Dazu gehören Kinder, wie Meisner gern betont, viele Kinder. Nur so ist es zu verstehen, dass der scheidende Kölner Erzbischof seine Wertschätzung als interreligiöse Familien-Relation ausdrückt. 3 zu 1 – in diesem Verhältnis stehen für Meisner christliche Familien des Neokatechumenats zu muslimischen Familien.

Solch eine unbedarfte Formulierung sollte einem Kirchenmann von Meisners Rang nicht über die Lippen kommen. Aber die Rhetorik offenbart kurz vor dem Ende seiner Amtszeit jene Denkweise, mit der Meisner ein Vierteljahrhundert lang Kirchenpolitik gemacht hat: Mögen die Katholiken hierzulande in der Defensive sein – in Wahrheit sind sie als „heiliger Rest“ über alle erhaben. Zu echter Begegnung kommt es bei einem solchen Gefälle nicht. Die Kirche ist sich selbst genug. Kein Wunder, dass Meisner mit Papst Franziskus fremdelt. Denn der sagt, eine solche Kirche sei krank.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum