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Kommentar zur Elfenbeinküste Schatten auf Ouattara

Seit Monaten kämpfen im Westafrikanischen Staat Elfenbeinküste die Konkurrenten Alassane Ouattaras und Laurent Gbagbo um die Macht. Der international anerkannte Ouattara hat es mit Hilfe seiner „Republikanischen Kräfte“ zwar an die Stufen zum Präsidentenpalast gebracht. Doch er hat etwas wichtiges verloren: Seine moralisch weiße Weste.

Johannes Dieterich.

Alassane Ouattaras weiße Weste ist beschmutzt. Der ehemalige Weltbankdirektor galt bisher als ein Saubermann. Seinem aufbrausenden Konkurrenten Laurent Gbagbo war der gewählte Präsident der Elfenbeinküste wenigstens moralisch stets haushoch überlegen. Nun haben ihn seine „Republikanischen Kräfte“ zwar an die Stufen zum Präsidentenpalast gebracht. Doch im Gefolge ihres atemberaubenden Blitzkriegs blieb auch die Unschuld ihres distinguierten Feldherrn auf der Strecke. Die Mannen von Outtara und ihnen nahestehende Milizionäre haben im wilden Westen des Landes offenbar regelrechte Massaker verübt. Angeblich wurden in Duékoué bis zu tausend Menschen umgebracht.

Es spricht zwar nichts dafür, dass Ouattara das Blutbad selber angeordnet hat. Für die mörderischen Übergriffe sollen vielmehr vor allem lokale Milizionäre verantwortlich gewesen sein. Doch das entlastet den Präsidenten nicht. Denn auch in einem afrikanischen Land hat ein Chef für seine Untergebenen geradezustehen.

Statt sich nun in armselige Beschuldigungsrituale zu flüchten, muss Ouattara die Massenmörder schleunigst identifizieren und vor Gericht stellen. Geschieht das aber nicht, wird der angehende Präsident auch die nächste Herausforderung verpatzen. Er muss nach der sich abzeichnenden militärischen Niederlage seines Gegners Gbagbo das tief gespaltene Land wieder vereinigen. Das jedoch kann nur jemand gelingen, der eine politische Vision mit moralischer Integrität verbindet. Noch kann Ouatarra seine Weste reinigen.

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