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Kommentar zum Cyber-Abwehrzentrum Dünner Schutzschild

Der Name Cyber-Abwehrzentrum verspricht mehr, als das Projekt halten kann. Gemessen an ähnlichen Zentren fängt das schon beim Personal an - und setzt sich beim Konzept fort.

Andreas Schwarzkopf

Schwarz-Gelb liegt im Trend. Nach den USA und anderen Nationen will die Bundesregierung von 1. April an ein Cyber-Abwehrzentrum einrichten. Spätestens hier fangen die Fragen an; denn der Name verspricht mehr, als das Projekt halten kann. Lediglich zehn Experten koordinieren Schutzmaßnahmen gegen Attacken im Internet etwa gegen Ministerien.

Das scheint wenig, gemessen an ähnlichen Zentren. Die Nato hat in Belgien 130 Abwehr-Spezialisten zusammengezogen. Wenig auch, gemessen an den Bedrohungsszenarien, mit denen CDU-Innenminister Thomas de Maizière für das Projekt warb. Demnach werden hierzulande täglich alle zwei Sekunden Unternehmen angegriffen, staatliche Institutionen werden im Schnitt fünfmal pro Tag attackiert.

Wenig überzeugend ist auch das Konzept. Zusätzlich zum Cyber-Abwehrzentrum koordiniert Rainer Brüderles Ministerium die Jagd auf Wirtschaftskriminelle. Und die Bundeswehr schützt sich selbst. Hoffentlich behält jemand den Überblick.

Leider kam die internationale Kooperation nur noch als Fußnote vor, obwohl es sich um ein weltweites Problem handelt. Als solches müsste es angegangen werden, um die Sicherheit im Netz zu gewährleisten. Deshalb forderte Kanzlerin Angela Merkel jüngst auch zu Recht eine bessere Zusammenarbeit mit Nato- und EU-Partnern. Wie dieses Ziel erreicht werden soll, blieb bisher allerdings unklar.

Alles in allem hat Schwarz-Gelb einen dünnen Schild gebaut. Er dient vielleicht dazu, Angst vor der Cyber-Kriminalität zu besänftigen. Angriffen im Netz effektiv zu wehren, wird damit aber kaum gelingen.

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