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Kommentar zu Erdogan Türkischer Populismus

Wenn Erdogan jetzt den Zionismus angreift, dann verwendet er nur die moderne Chiffre für Antisemitismus, den er angeblich selbst für faschistisch hält.

Erdogan polarisiert mit antisemitischen Äußerungen. Foto: dpa

Die zynische Gleichsetzung von Zionismus mit Faschismus, Antisemitismus und Islamophobie als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ wird dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan Beifall unter all den Türken und Arabern einbringen, die hinter dem Bösen in der Welt stets das internationale Judentum wittern.

Doch wenn Erdogan jetzt den Zionismus angreift, dann verwendet er nur die moderne Chiffre für Antisemitismus, den er angeblich selbst für faschistisch hält. Tatsächlich nutzt der Populist den latenten Antisemitismus in der Türkei, um populär zu bleiben. Das könnte ihm bei bevorstehenden Kommunalwahlen nutzen.

Zionismus bezeichnet den Glauben des jüdischen Volkes an das Recht auf ein eigenes Land. Die Türkei war 1948 der erste muslimische Staat, der Israel anerkannte. Erdogans Wiener Entgleisung aber ist die gezielte Provokation eines Populisten, der bei seiner innenpolitischen Fixiertheit offenbar nicht begreift, dass er damit dem eigentlichen Anliegen schwer schadet – der Kritik am Rassismus gegenüber Muslimen in der westlichen Welt.

Denn was hat Muslimfeindlichkeit im Westen mit dem Zionismus zu tun? Nichts. Es ist traurig genug, dass ein krankhafter Antisemitismus im Nahen Osten Allgemeingut ist und rational geführte Antisemitismusdebatten kaum noch denkbar erscheinen. Erdogans Polemik ist vor dieser Folie gesehen umso schlimmer.

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